Zufällige Alltagsbegegnung mit einem Nerd

Ein Teil der Einrichtungen der Universität Hamburg befindet sich in einem 13-stöckigen Hochhaus, das offiziell “VMP6″ heißt, basierend auf der Adresse “Von-Melle-Park” und der Hausnummer. Wer es etwas angenehmer ausdrücken möchte, spricht vom “Philosophen-Turm”. Die dort insgesamt sechs tätigen Fahrstühle sind ein schier unerschöpflicher Quell frustrierender wie auch belustigender Anekdoten, von denen ich eine mit euch teilen möchte.
Beim Einstieg in den Fahrstuhl eben jenes Philosophen-Turms begutachtete ich misstrauisch die Konstruktion eines unbekannten Mitfahrers. Er hatte ein prall gefülltes Tablett auf den beiden metallenen Seitengriffen abgestellt, was mir mehr als instabil erschien. Auf meinen sorgenvollen Blick reagierte er dann mit einem schnellen Vortrag über die Gewichtsverhältnisse auf dem Tablett, zeichnete diverse Querlinien und Schnittpunkte in die Luft und drückte zum Beweis der Stabilität noch mehrmals auf den äußersten Tablettrand. Tatsächlich. Es schien zu halten. Und zudem konnte er mir überzeugend vermitteln, dass er vor dem Hinstellen in wenigen Augenblicken eine komplette Berechnung der in der Situation herrschenden Kraft- und Gewichtsverhältnisse vorgenommen hatte. Nachdem ich das Werk bildlich festgehalten hatte, kommentierte er noch, dass es sich halt auch auf den Alltag auswirken würde, wenn man wie er Physik auf Lehramt studieren würde.
Das war sie also, meine heutige spontane Alltagsbegegnung mit einem Nerd. Und wenn dieser Begriff auf diesem Blog genannt wird, möchte ich ihn nur in der bestmöglichen Konnotation verstanden wissen. Sie machen unsere Welt besser, weil sie ihr Wissen praktisch anwenden und zur Verbesserung ihrer Umwelt einsetzen. Und haben eine entscheidende Gemeinsamkeit mit Bloggern, denn sie finden auch in einer stark von ernsten Themen geprägten Welt immer mal wieder einen Augenblick für spielerische Kreativität.




Ich hätte das Teller ganz in die rechte, hintere Ecke geschoben weil es sich am schwersten von allem ist. Die Schüssel und das Brötchen natürlich auch ganz an den Rand zur Fahrstuhlwand hin.
Nerdige Grüße
Au Mann, das Leben spielt einem ja auch absonderliche Zufälle zu … Ich hab grad den nicht ganz so ernst gemeinten “Nerd Test” hinter mich gebracht und mich öffentlich dazu bekannt.
http://www.marcus.gurxite.de/2007/12/12/der-nerd-test/
Hoffentlich komm ich die Tage tatsächlich nochmal dazu, den Begriff ein wenig weiter auszudeuten. Vorgenommen habe ich mir das schonmal.
@Michael: Dein Konzept liest sich logisch. Ich persönlich wäre allerdings noch neben dem Tablett stehengeblieben und hätte es zusätzlich mit meinem Bauch gegen die Fahrstuhlwand gedrückt.
@Marcus: Bin gespannt auf Deine weiteren Ausführungen. Etwas zusätzliches Anschauungsmaterial mag Dir vielleicht diese Reportage von 3Sat über Nerd-Kultur bieten.
Solala, meine Oberflächlichen Betrachtungen haben den Weg ins Blog gefunden. Allerdings vermutlich unter einem anderen Aspekt als hier angeklungen:
http://www.marcus.gurxite.de/2007/12/13/nerds-und-freaks-und-so/
Ach Mist, da hab ich den automatischen Trackback vergessen …
@Marcus: Kein Ding.