Webnwine – Weinbewertung und Soziales Netzwerk für “ältere Jahrgänge”
Mittlerweile gibt es ja Foren und Social-Networks für alle möglichen Gruppen und Themen. Für mich neu war das Network Webnwine.com, das sich an Weintrinker richtet. Diese können ein Profil von sich anlegen, ihren Weinkeller verwalten, Verkostungsnotizen anlegen, Weine auf eine Watchlist legen und mit anderen Mitgliedern über Freundeslisten und persönliche Nachrichten interagieren.
Die Anmeldung
Aber der Reihe nach. Da dass Ganze keine Kindergartenveranstaltung sein soll, erfordert die Anmeldung die Angabe von Vor- und Nachnamen. Somit ist schon mal bis zu einem gewissen Grade inhaltliche Qualität gewährleistet, da Mitglieder unter ihrem Klarnamen vielleicht sorgsamer miteinander umgehen und sich konstruktiver äußern als unter “Pseudonym”. Nach Angabe von Namen, Passwort und E-Mailadresse, erhält der neue Nutzer eine kurze Mail zum Bestätigen der Anmeldung und kann sich anschließend gleich einloggen.
Design
Das Seitendesign ist angenehm schlicht und mir gefallen die gewählten Farben “Weinrot” und “Traubengrün” in Verbindung mit verschiedenen Grautönen. Das Logo ist meiner Meinung nach (wie auch der Name des Projekts) keine kreative Glanzleistung, aber besser als “WeinVZ” oder “Winebook” ist es allemal und man muss auch bedenken wie viele Hürden heutzutage zu überwinden sind, um einen kreativen Namen zu finden, der noch nicht genutzt wird und bei dem noch alle Domains erhältlich sind. Der aktuelle Name funktioniert auf jeden Fall und am Ende ist ja auch am wichtigsten, was im Projekt drin steckt.
Menüführung
Wie gesagt: Die grafische Umsetzung gefällt mir, allerdings ist die Menüführung etwas unübersichtlich mit auf der Startseite insgesamt 4 Menü-Spalten. Ich habe das Ganze mal auf dem Screenshot grafisch hervorgehoben:
Ich glaube nicht, dass der Menüpunkt “FAQ” (befindet sich sowohl in Bereich 1. als auch 4.) doppelt vorhanden sein muss, genauso wie der Punkt “Blog”, der sich sowohl in 1. als auch 3. wiederfindet. Der aus meiner Sicht wichtige Punkt “Auktionen” ist in keinem der vier Menüs enthalten sondern nur auf der Startseite in einem Seitenkasten aufzurufen. Ich möchte im Detail jetzt nicht weiter darauf eingehen, aber um die Menüführung aus meiner Sicht zu perfektionieren, sollte man von drei auf vier Menüs runter gehen und Redundanzen vermeiden. Trotzdem findet man relativ schnell was man sucht, auch wenn man erst mal einen Augenblick die Punkte durchklicken muss. Aber die Seite richtet sich ja auch besonders an Weinliebhaber, die sie regelmäßig nutzen und dann schon irgendwann auswendig wissen, was sie wo finden.
Usability
Kernfunktionen von webnwine sind das Anlagen einer eigenen Datenbank mit Informationen aus dem heimischen Weinkeller und der Austausch darüber mit anderen Mitgliedern. Zudem lassen sich in der erwähnten Übersicht Weinauktionen überblicken die zurzeit bei Online-Auktionshäusern wie Ebay stattfinden. Und hier im Detail entfaltet Webnwine seine großen Stärken. Zu jedem angebotenen Wein werden zahlreiche Hintergrundinformationen geliefert. So ist der “Chateau Valrose, Gran Vin de Bordeaux” zum Beispiel zurzeit drei Mal im System. Wer bereits einen eigenen digitalen Weinkeller eingerichtet hat, kann zudem auf einen Blick sehen, ob sich der entsprechende Wein bereits darin befindet. Zum Zeitpunkt der Veröffentlichung dieses Reviews bei webnwine sollen im System über 32.000 Verkostungsnotizen, Infos zu fast 40.000 Weinen und fast 75.000 Auktionen enthalten sein.
Sozialer Aspekt
Positiv anzumerken ist, dass bei diesem Projekt nicht “irgendeine gesichtslose Agentur” auf ein gewinnversprechendes Thema draufgesprungen ist, sondern sich ein paar persönlich eng mit dem Thema Wein verbundene Personen zusammen getan haben. Hier ist die sympathische Vorstellung der Leute hinter dem Projekt zu sehen. Wer sich selbst aktiv in das Netzwerk einbringt, Freunde findet und Freundschaften pflegt, kann sicherlich Stunde um Stunde in Webnwine verbringen. Wer das Netzwerk nur als schnöde Informationsquelle nutzt, wird aus dem sozialen Bereich keine Freude ziehen können.
Kosten
Sowohl Website als auch iPhone-App richten sich eindeutig an ältere Nutzer, die regelmäßig Geld für ihr Hobby Wein ausgeben und dementsprechend auch bereit sind, für Webnwine einen gewissen Obolus zu entrichten. Die iPhone-App kostet zurzeit 4,99 Euro. Die Anmeldung auf der Portalseite ist kostenlos möglich, unterliegt dann allerdings gewissen Beschränkungen, die erst ab einer monatlichen Gebühr von 9 Euro für einen Premium-Account aufgehoben sind.
Letzter Schliff fehlt noch
Perfekt ist das Ganze noch nicht. An manchen Ecken finden sich noch inhaltliche Ecken und Kanten, die noch weggeschliffen werden müssen. So stehen in der deutschen FAQ unter dem Punkt “Newsfeed” fälschlicherweise sowohl die deutsche als auch die englische Erklärung übereinander. Unter “Marktplatz” und dann nochmal “Marktplatz” steht gar nur ein simples “test”. Dafür zeigt sich hier bei nebensächlichen Flüchtligkeitsfehlern wie “Aktuelisiert”, dass wohl nach der Programmierung keine allzu systematische Fehlersuche mit externen Testern betrieben worden sein kann. Diese Anmerkungen sind aber, und dass möchte ich betonten, Kleinigkeiten gegenüber dem Potential und Inhalt des Projektes.
Die iPhone-App
Noch ein paar Worte zur oben angesprochenen iPhone-App. Bereits der Button zum Aufrufen der App zeigt, dass sich die iPhone-Fassung von webnwine grafisch an die Webseite anlehnt.
Kauf, Installation und Inbetriebnahme erfolgen problemlos. Die Navigation erfolgt denkbar einfach über das Menü im unteren Bildschirmbereich mit den Unterpunkten “News”, “Weinsuche”, “Weinkeller” und “Merkzettel”. Diese einfache Struktur und der Verzicht auf größeren Schnickschnack sind wohl auch ein Grund dafür, dass sich die Anwendung auf dem Test-iPhone (3GS) schnell und problemlos nutzen ließ.
Unter “News” verbergen sich, soweit ich es sehen kann, die Beiträge aus dem Webnwine-Blog, die sich hier auch in der U-Bahn lesen lassen:

Auf einen Klick lassen sich die eingespeicherten Daten über den eigenen Weinkeller nach Grundkategorien wie Wein, Land oder Jahrgang durchsuchen.
Gesamtfazit
Wie aus meinen Anmerkungen deutlich werden sollte, sind die Internetseite und die iPhone-App von Webnwine technisch und grafisch solide umgesetzt. Es gibt zwar noch ein paar Detail-Punkte zu verbessern, aber im Großen und Ganzen stimmt das Preis-Leistungs-Verhältnis – allerdings nur für Nutzer, die sich für das Kernthema Wein interessieren. Wer selbst eine kleine Sammlung sein eigen nennt und sich kompetente Informationen dazu holen bzw. sich mit anderen Weinfreunden austauschen möchte, wird hier sicherlich glücklich. Blutige Wein-Anfänger bzw. Reinschnupperer werden leider nicht wirklich abgeholt, sondern müssen sich entweder über den angebotenen Begriffsglossar oder sonstige Literatur nötige Grundkenntnisse in Eigenarbeit anlesen. Da man das iPhone auch besser in den staubigen Weinkeller mitnehmen kann, als seinen Laptop und auch locker mal am Tisch rausholen kann, um Freunden die Daten einer Neuerwerbung zu zeigen, macht es für Webnwine-Nutzer auch durchaus Sinn, sich die iPhone-App zuzulegen. Wer beruflich oder zumindest semi-professionell mit der Materie zu tun hat, sollte sich das Projekt auf jeden Fall näher ansehen.
Wer sich hiervon angesprochen fühlt, sollte Webnwine “jetzt testen“.







