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Was mich wahnsinning aufregen kann

12. Juli 2007 Einen Kommentar schreiben Kommentare

Es gibt Dinge, über die ich mich wahnsinnig aufregen kann. Dazu gehört unter anderem so eine idiotische Online-Werbeaktion, wie sie mir gestern begegnet ist. Da wird mit der technischen Unkenntnis vor allem älterer Internetbenutzer gespielt, werden Ängste geschürt, und das auf eine penetrante und lästige Weise durch Vorspielung falscher Tatsachen.

Beim Ansurfen eines Blogs aus meiner MyBlogLog-Community wurde zuerst in der Bildschirmmitte folgendes eingeblendet:

Opa Müller würde jetzt bereits in erste Panik verfallen. Für mich handelt es sich zu diesem Zeitpunkt noch einfach um ein nerviges Pop-Up-Banner. Wer regelmäßig einen Computer nutzt, wird wissen, dass seine Handlungen unter anderem im Verlaufsprotokoll des Browsers gesammelt werden. Er wird aber auch wissen, dass sich alle diese Informationen mit einem Klick löschen lassen. Dazu braucht es kein wie auch immer geartetes Programm für 35,- Euro. Auf dem Blog selber ist dann eine Anzeige der im Bild zu erkennenden Firma zu entdecken, dank der spätestens jetzt klar wird, woher der Wind weht.

In der Anzeige täuscht ein animiertes Gif-Bild eine Warn-Box vor, die im sparsamen Deutsch erzählt, dass auf meinem System 893 gefährliche Dateien entdeckt worden seien, die es zu löschen gelte. Mir offenbart sich mit einem Blick in die Statusleiste von Firefox, dass sich hinter der Antwort “Ja” ein Installationsprogramm befindet. Natürlich verzichte ich darauf, hier zu klicken, weil ich ja – um mit den Worten einer großen Elektronikmarkt-Kette zu sprechen – “Doch nicht blöd bin”. Doch Opa Müller, der ja nicht mal weiß, dass kein Programm in dieser Situation und dieser Geschwindigkeit einen Firewall-geschützen Rechner durchsuchen könnte, hätte vielleicht jetzt schon das Programm bei sich installiert.

Der Mumpitz lässt sich jedoch leider nicht so einfach ignorieren. Nach 5 Sekunden zeigt sich erneut ein Banner in der Bildschirmmitte. Dieses Mal ist es sogar noch unverschämter. Ich hätte den Scan nicht durchgeführt. Nun könnte meine Sicherheit “Unter” Gefahr sein, weil sich “automatish” Daten hätten installieren können.

Dabei ist das einzige wirklich gefährliche diese Werbung selbst, denn mein Firefox sah plötzlich so aus:

Was fällt denen eigentlich ein, dass sie es wagen, nach zwei Pop-Ups und einer irreführenden Gif-Animation auch noch einfach die Darstellung meines Browserprogramms zu reduzieren, damit ich auch garantiert auf das nächste Pop-Up schaue? Als ich das Ganze wieder groß klicken möchte, nimmt es nur ein Viertel des Bildschirms ein und zeigt mir darin folgendes:

Was für eine bodenlose Frechheit. Wo liegt den bitteschön der logische Unterschied zwischen den Kategorieren “Besuchte Sexwebseiten”, “Details über die besuchen illegalen Seiten” und “Details über angesehene Media-Dateien für Erwachsene?” Und was sollen diese Fantasieangaben? Warum sollen sich 1737 URLs im Verlauf des Internet Explorer befinden, wenn ich selbigen gar nicht bei mir auf dem Rechner installiert habe? Hinter den Buttons “kurze Information und “versteckte Dateien” verbirgt sich erneut der Link zum Installieren. Nachdem ich den Firefox auf die alte Größe bringen möchte, öffnet sich nur ein halbes Fenster, das erneut die oben abgebildete Pseudo-Statistik enthält.

Insgesamt sechs Mal bin ich also vor die Frage gestellt worden, ein mir unnötiges Programm auf meinem System zu installieren. Wer schon einmal unerfahrene Nutzer miterlebt hat, die bei jedem Meldungsfenster in sich zusammenzucken, weil sie Angst haben, etwas falsch zu machen, wird einschätzen können, was erst die oben dokumentierte Aktion ausgelöst hätte. Ich kann mir gut vorstellen, dass regelmäßig Opa Müllers wegen der Verunsicherung durch Panikmache und falsche Informationen auf das Angebot eingehen – spätestens nach dem zweiten, dritten, vierten, fünften oder sechsten Abfrageversuch.

Noch schlimmer ist übrigens die Panikmache direkt auf der Seite:

  • “Diese Software wurde von den qualifizierten Fachleuten entwickelt, um die Festplatte zu scannen und alle verbotene Informationen löschen wird.”
  • “Das Programm löscht alle schädlichen Dateien auf Ihrem PC und schützt Ihre Daten.”
  • “Sie können absolut sicher sein, daä es alle störende Informationen gelöscht werden.”
  • “Sie werden sich nie wieder Gedanken über Datenschutz machen.”

Verbotene und störende Informationen, schädliche Dateien. Doch dieses reißerische Vokabular ist nicht das einzige Signal, dass bei jedem Nutzer eine gesunde Skepsis wecken sollte. Es geht weiter bei der mangelnden Rechtschreibung (wobei Übersetzungsfehler ja auch beizeiten bei Microsoft-Produkten vorkommen sollen), setzt sich fort über die technischen Ungereimtheiten (weil sich die in der Pseudostatistik verwandten Informationen gar nicht von einem geschätzten Computer auslesen lassen) und endet bei Einzelheiten wie dem Verweis auf ein Programm (Internet Explorer), das bei mir überhaupt nicht installiert ist.

Wie ich eben dann noch bei einem Blick ins Netz entdeckte, sind tatsächlich zahlreiche Leute auf den Nepp reingefallen und hatten anschließend Ärger. Aber während ich mich in diesem Beitrag hauptsächlich über die hohe Banner-Frequenz und die Falschinformationen aufgeregt habe, durfte ich nun lesen, dass hinter dem Programm anscheinend sogar noch Spyware zu stecken scheint. Einzelheiten gibt es hier, hier und hier.


werbung


Kommentare (7) Trackbacks (0) Einen Kommentar schreiben Trackback
  1. desrtfx
    12. Juli 2007, 21:48 | #1
    Antwort | Zitat

    Gerade Firefox mit seinen tollen Plugin System bietet hier perfekte Abwehrmechanismen.

    Wer auf seinem Firefox weder Adblock Plus noch NoScript installiert hat, darf sich über solch nervende Werbung nicht wundern.

    Beide Tools haben zwar auch ein paar Nebenerscheinungen, aber die lassen sich im Vergleich zu dem ABSOLUT werbefreien Surfkomfort leicht verschmerzen.

  2. Tadeusz Szewczyk
    13. Juli 2007, 09:11 | #2
    Antwort | Zitat

    Na das sieht nach Deiner ersten Abmahnung aus. Mal schauen wie schnell sich der Hersteller meldet.

  3. Sven
    13. Juli 2007, 13:12 | #3
    Antwort | Zitat

    Schmuddelsoftware halt. Darüber würde ich mich nicht aufregen. Aber zumindest die Alten und vielleicht noch gar nicht so alten Leutchen, die auf sowas reinfallen können, kannst Du warnen – aber Schafe gibt es leider genügend, die auf sowas reinfallen. Sonst würde es sich wirtschaftlich nicht lohnen.

  4. Joachim
    14. Juli 2007, 14:18 | #4
    Antwort | Zitat

    @desrtfx: Danke für die Tipps. Doch wie soll ein Programm erkennen, was Werbung ist und was zusätzlicher Seiteninhalt? Am Ende kann es mir passieren, dass ich Informationen auf einer Seite suche, deren Darstellung durch so einen Werbeblocker unterdrückt wird. Das geht wahrscheinlich in die Richtung der von Dir angesprochenen “Nebenerscheinungen”. Ich bin ja auch kein “militanter” Gegner von Werbung auf Internetseiten, sondern rege mich auf, wenn sie zu penetrant ist und falsch informiert.

    @Tadeusz: Ich wäre überrascht, wenn sich der Hersteller aus den USA bei mir melden würde, während das gesamte Netz von Foreneinträgen gefüllt ist, in denen Leute mit seiner Spyware kämpfen. Aber Du hast natürlich Recht. Vorsicht ist immer angebracht.

    @Sven: Zustimmung.

  5. MainP
    29. Juli 2007, 21:20 | #5
    Antwort | Zitat

    Das tolle an ABP ist ja grade, dass man ihn jederzeit aus- und wieder einstellen kann. Ausserdem kann man selber definieren, was Werbung ist und was nicht!
    Ausserdem hast du ja wohl laut den Screenshots Windows XP. Nun zeige mir bitte wie du XP ohne Internet Explorer hinbekommst?! Also nach allem, was ich gelesen habe, ist er 1. immer vorinstalliert und lässt sich 2. nicht deinstalieren und wenn doch, 3. dann läuft XP nicht mehr.

  6. Joachim
    31. Juli 2007, 12:20 | #6
    Antwort | Zitat

    @MainP: Ich gehe davon aus, dass man grundsätzlich jedes Programm jederzeit aus- und anstellen kann und verstehe nicht ganz, warum Du dies als “das tolle” an ABP bezeichnest? Die von Dir genannte Möglichkeit, eigene Kriterien für Werbung und Nicht-Werbung in dem Programm einzugeben ist ja gerade der Knackpunkt. Denn wenn ich einmal zum Beispiel Banner irgendeiner Größe als Werbung definiert habe, sortiert das Programm sie automatisch aus. Wenn nun aber auf irgendeiner Seite jemand einen regulären Seiteninhalt in dieser Größe eingebaut hat (was durchaus vorkommt) oder irgendeine Anzeige dargestellt wird, deren Inhalt mich interessiert hätte, würde ich es bei der Anwendung von ABP gar nicht mehr erfahren. Und was nützt mir ein Programm, dass ich jederzeit ein- und ausstellen kann, wenn ich nicht weiß, wann ich es machen sollte?

    Generell nutze ich Computerprogramme zur Unterstützung bei der täglichen Arbeit, vertraue aber nicht auf ihre automatischen Filter. Meinen automatisch aussortieren E-Mail-Spam sehe ich mir auch immer noch von Hand durch, weil sich unter 30 Mails immer mal eine wichtige, reguläre Mail befindet, die dort mit reingerutscht ist. Ich kann mir schwer vorstellen, dass Du es anders machst?

    Zu Deinem zweiten Punkt: 1. “Ja.” 2. “Nein.” 3. “Nein, jedenfalls bei mir. Und wenn, braucht man den Internet Explorer ja nicht gleich wie ich komplett zu deinstallieren, sondern kann ihn ignorieren und einfach Firefox nutzen.”

  7. MainP
    8. August 2007, 21:27 | #7
    Antwort | Zitat

    Die empfohlenen Filter von ABP sortieren Divs z.b. nach ihrem Namen raus.
    Ich kann mir kaum vorstellen, dass ein Div mit Inhalt als id “advertise” hat.
    Ok beim BildBlog gibt es probleme, da er in ein paar Sidebar sachen als id “webung” hat. Aber sonst ist mir noch nie passiert das ich was nicht gefunden habe. Und wenn mal doch eine Seite komplett zerschossen ist, mach ich ihn mit 2 Klicks aus (was ich auch meinte)!

    Und ja ich sortiere meinen E-Mail Spam nochmal per Hand.

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