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Warum ich Blogs lese – Textdiebstahl

November 17th, 2007 Joachim Leave a comment Go to comments

Bei Weinverkostungen.de steht eine interessante Story:

Am Donnerstag dieser Woche erscheint wieder der diesjährige Beaujolais Primeur. Seit dem Montag (12.November) liegt in viel Läden der REWE-Handelskette ein Werbeblatt aus, in dem auf die zu verkaufenden Primeur-Weine hingewiesen wird. Dabei ist auch eine Text vorhanden, der mit dem Titel “Kurioses um den Primeurâ€? überschrieben ist. Als ich ihn las, erinnerte ich mich an einen Text, der bei der Online-Enzyklopädie Wikipedia auf der Seite zum Beaujolais unter dem Absatz Kuriosum steht.

Mit der Zeit stumpft man ja ein bisschen ab. Und wer in diesem Fall eine sensationsheischende Überschrift wie “REWE klaut Texte” wählen würde, würde außer Acht lassen, dass vielleicht die angesprochenen Prospekte gar nicht von der REWE selbst sondern nur in ihrem Auftrag von einer Agentur hergestellt werden. Zweiter relativierender Umstand ist, dass es sich wenigstens nicht um den Text eines freien Journalisten (oder einzelnen Bloggers) handelt, sondern der Wikipedia, deren Nutzer von vorneherein keine Kontrolle und keine monetären Erlöse von ihrer dortigen Arbeit erwarten.

Aber trotzdem: Der Fall, in dem auf einem eindeutig kommerziellen Produkt ein nur unter der Bedingung der unkommerziellen Nutzung im Internet verbreiteter Text erscheint und zwar wortwörtlich unter Einbezug von Fehlern ist für den Konzern einfach nur peinlich. In diesem Fall wird es wohl keinerlei Konsequenzen geben. Er zeigt aber, wie wichtig Blogs sind. Viele Menschen mögen nun sagen, dass es sich um einen kleinen Einzelfall handelt. Aber wenn in Deutschland ein paar hundert interessierte und aufmerksame Blogger die Medien in ihrem Umfeld auch nur sporadisch im Auge behalten und dann auf solche “Kleinigkeiten” und “Einzelfälle” hinweisen, könnte sich schon nach ein paar Monaten zeigen, dass es sich nicht um Einzelfälle handelt, sondern dass tatsächlich egal ob Zeitung, Magazin oder Prospekte immer mehr an der inhaltlichen Qualität von allen Arten von Medien gespart wird und sich dies am Ende auch sowohl auf eben jene inhaltliche Qualität als auch auf die Entlohnung und notwendige Aus- und Fortbildung der Medienschaffenden negativ auswirkt.

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  1. November 27th, 2007 at 04:50 | #1

    Inhalte der Wikipedia stehen unter der GNU-Lizenz für freie Dokumentation. Diese ermöglicht explizit auch die Weiternutzung der veröffentlichten Inhalte im kommerziellen Umfeld (aus deinem Blogposting lese ich heraus, dass du davon ausgehst, dass dies nur für unkommerzielle Nutzung gelten würde).

    Vollkommen unabhängig davon, ob die Inhalte nun unkommerziell oder kommerziell genutzt werden, müssen aber die Lizenzbedingungen eingehalten werden, was im konkreten Beispiel nicht der Fall war.

    Da der Abschnitt vergleichsweise kurz war, könnte man damit argumentieren, dass das deutsche Zitatrecht greifen würde, so dass man sich unter Umständen nicht an die Lizenzbedingungen halten müsse. Aber selbst bei Anwendung des Zitatrechts, wäre eine Nennung der Quelle obligatorisch.

  1. November 26th, 2007 at 22:02 | #1