Vibratoren-Anzeigenplatzierung im Missy-Magazine
Meiner Meinung nach war so etwas wie das Missy-Magazine mehr als überfällig. Die Gleichberechtigung der Frau ist auch heute noch ein ungemein vertracktes Thema, ja vielleicht sogar noch viel vertrackter als zu Hochzeiten von Alice Schwarzer und ihrer Emma, in denen die Unterdrückung des weiblichen Geschlechts in der Gesellschaft um einiges offensichtlicher und somit das gemeinsame “Feindbild” deutlicher war als in diesen Tagen. Denn auch wenn Gleichberechtigung als Thema schon ein alter Hut und überhaupt nicht mehr in zu sein scheint, verdienen Frauen trotzdem in Deutschland weniger für die gleiche Arbeit und erlangen statistisch um einiges seltener Führungspositionen. Die Autorinnen des Missy-Magazine könnten diese Liste wahrscheinlich problemlos um einige Punkte erweitern. Von Stichworten wie Beschneidung, Zwangsheirat – sowohl in Deutschland als auch noch stärker im Ausland und hier besonders in Entwicklungsländern – wollen wir lieber gar nicht erst anfangen. Also nochmal: Ich freue mich, dass es endlich nach all den Jahren ein von jungen Frauen gemachtes Magazin gibt, das sich mit frecher Sprache und einem gewagten Mix aus ernsthaften politischen und Pop-Themen an das Thema Gleichberechtigung Zwei-punkt-null wagt.

Wenn sie thematisch auch neue Wege gehen, funktionieren einige Dinge jedoch natürlich trotzdem wie im klassischen Zeitungsgewerbe. Zum Beispiel sind Anzeigenkunden daran interessiert, ihre Inserate neben möglichst themenaffinen redaktionellen Inhalten wiederzufinden, weil dies naturgemäß die Aufmerksamkeit des Lesers erhöht. So auch in Missy-Ausgabe 01/08, wo eine Kolumne folgendermaßen beginnt:
“Der Richtige
35 Prozent aller deutschen Frauen besitzen einen Vibrator. Ich will auch dazugehören. Aber wie finde ich den Richtigen? Ein Einkaufsbericht…”.
Und drei Mal darf man raten, für welches Produkt mit Slogans wie “love yourself”, “Qualität & Innovation” und “Made in Germany” auf der gegenüberliegenden Anzeigenseite geworben wird… .





Genau das ist mir damals bei der Lektüre der Zeitung auch schon aufgefallen. Den Artikel zum Vibrator-Kauf finde ich darüber hinaus auch äußerst schlecht und unpassend zu den restlichen Artikeln – wirkt so gewollt. Interessanterweise fand sich die gleiche Anzeige und ein nur wenig besserer Artikel in dem ebenfalls im ungefähr gleichen Zeitraum erstmalig erscheinenden Erotik-Magazin für Sie “Alley Cats”.
Auch bemerkenswert: Vibratoren werden nun stylish beworben und nicht mehr so schmuddelig wie in vielen einschlägigen Läden der Reeperbahn – die Produkte der werbenden Firma sind auch offen bei einem Drogeriemarkt in der Nähes des HBF zu bekommen. Scheinbar eine neue Marketingstrategie…