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Überlegungen zu meinen Gründen und Zielen fürs Bloggen

Yannick fragt im Rahmen eines Blogprojektes (bzw. Blog-Karnevals) nach Beiträgen, in denen andere Blogger die Ziele ihrer Tätigkeit formulieren. Ich nehme dies als willkommene Gelegenheit, für mich selber zu definieren, was ich eigentlich überhaupt mit all dem hier bezwecke. Allerdings stehen für mich die Fragen nach den Zielen und den Gründen des Bloggens eng beeinander.

Schritt 1: Welche Gründe und darauf resultierende Ziele gibt es zum Bloggen?

Ich erlaube mir einen Zweier-Schritt, in dem ich zuerst die möglichen Gründe aufzähle und dann versuche zu definieren, inwiefern sie für mich zutreffen. In der Nachfolge also eine alphabetische Liste möglicher Gründe mit genaueren Erklärungen zur Vermeidung von Missverständnissen. Hinweise auf sinnvolle Ergänzungen sind jederzeit willkommen.

  • Ausprobieren
    (Der klassische “Ich-Auch-Blogger” lässt sich aufgrund eines Zeitungsartikels oder Fernsehbeitrages von einem Freund ein Blog einrichten und schreibt eine Mail an alle Freunde, dass er nun auch ein Blog hat. Die Quote derjenigen Blogs, die über den ersten Eintrag niemals hinausgehen ist allerdings sehr hoch, weshalb ich diese Kategorie ein bisschen abseits von den übrigen sehe.)
  • Berufliche Gründe
    (Wer sowieso im Medienbereich tätig ist, kann ein Blog als effektive Visitenkarte nutzen, um sich und seine Arbeit zu präsentieren, Geschäftskontakte zu pflegen und neue Kunden zu akquirieren.)
  • Effektivität
    (Ein Blog ist öffentlich und beinhaltet somit – wenn der Blogger es so sehen möchte – einen gewissen Druck, regelmäßig qualitative Inhalte zu finden, aufzuarbeiten und zu veröffentlichen. Gerade für Journalisten, die vielleicht im Rahmen ihrer Arbeit für eine Weile nicht täglich sondern wöchentlich oder monatlich produzieren müssen, ergeben sich hier schöne Möglichkeiten, die eigene Effektivität und Disziplin durch tägliches Bloggen zu trainieren.)
  • Exhibitionismus
    (Eine deutlichere Beschreibung gibt es nicht, für den Hang mancher Personen, ihr gesamtes Privatleben mit einer breiten Masse fremder Menschen zu teilen. Dies kann sich darin äußern, dass sie beim Abnehmen täglich ein Foto ihres nackten Bauches posten, dass sie ausführlich über ihre gesundheitlichen Probleme berichten oder den Liebesdialog mit ihrer Partnerin in den Kommentaren führen. Unter dem angeführten Schlagwort verstehe ich generell die Preisgabe privater Informationen, wobei es bei einem Foto meines Autos anfangen und intimsten Informationen im emotionalen Bereich aufhören kann.)
  • Geld
    (Die Möglichkeiten des Geldverdienens durch Blogs stehen gerade erst am Anfang. Doch im englischsprachigen Raum zeigen sogenannte Problogger wie der Australier Darren Rowse und der Kanadier John Chow, wie sich mit einem vernünftigen Konzept ohne großen Aufwand enorme Summen durch das Bloggen einnehmen lassen. Wer erstmals die euphorischen Ausführungen des Australiers Yaro Starak liest oder hört, mag sich beizeiten an das Gebahren irgendwelche holländischen Motivationstrainer oder Verkäufer von todsicheren Aktientipps erinnert fühlen – doch dies täuscht. Denn – so jedenfalls meine Einschätzung – wenn jemand die wichtigsten Grundregeln beachtet, ist es durchaus möglich, mit einem privaten Blog auch in Deutschland nach drei bis sechs Monaten Aufbauarbeit 100,- bis 200,- Euro im Monat zu verdienen.)
  • Idealismus
    (Es gibt viel zu viele wichtige Themen, die in der aktuellen Medienwelt so gut wie gar keine Berücksichtigung finden. Wie verlockend ist da das Blog als Medium. Während ich mich beim mündlichen Erzählen immer im Ungenauen bewege und mein Gegenüber auf jede Buch- oder Artikelempfehlung mit einem eifrigen Nicken antwortet, obwohl er es doch sowieso nach zwei Minuten vergessen hat, kann ich in einem Blogeintrag sofort alle wichtigen Quellen nennen, die sich dann auch speichern und erneut auffinden lassen. Ich kann Abstimmungen machen, Aktionen starten, mit geringem finanziellen und technischen Aufwand ganze Massen an Menschen mobilisieren und durch fundierte Argumentation und soziales Gespür vernachlässigte Themen auf die Agenda setzen, wie es bisher höchstens Chefredakteuren möglich gewesen ist. Die Ergebnisse meines Engagements sind durch Counter meist unmittelbar nachvollziehbar und das Für und Wieder gerade politischer Aspekte lässt sich in Kommentaren hervorragend diskutieren.)
  • Ruhm
    (In den etablierten Systemen in den Redaktionen und Büros im “Real Life” sind meist sämtliche relevanten Positionen auf lange Zeit im Vorraus vergeben. Da existiert ein engmaschiges Netz an Absprachen, Ansprüchen und Verpflichtungen, das kaum größere Bewegung zulässt und Neueinsteigern nur wenige Entfaltungsmöglichkeiten bietet. Anders im Online-Bereich. Einige der bekanntesten Blogger haben erst vor zwei oder drei Jahren angefangen, sich mit der Materie zu beschäftigen. Warum sich also nicht, durch besonders ausgefeilte, exklusive oder auf irgendeine Art und Weise hervorstechende Beiträge einen Namen in der Szene machen. Bei Erfolg winken Interviewanfragen, Einladungen zu Mediengalas und eine gewisse Art von Prominenz.)
  • Spieltrieb
    (Was für faszinierende Möglichkeiten Blogs doch bieten. So lassen sich spontane Mitmachprojekte mit Interessierten in ganz Deutschland oder auch auf der ganzen Welt realisieren. Warum sollte nicht jeder mal eben ein Bild von einem Schaf zeichen und wir veröffentlichen sie alle gemeinsam? Warum sollte nicht jeder im Angedenken an einen großen Schriftsteller einmal jährlich mit einem Handtuch herumlaufen? Die Möglichkeiten sind unbegrenzt, der Weg zur Kunst oftmals nicht sehr weit.)


Schritt 2: Welche Gründe und daraus resultierenden Ziele zum Bloggen sehe ich für mich?

Ich verteile einfach mal 100 Punkte auf die oben genannten möglichen Gründe.

  • Ausprobieren – 5
  • Berufliche Gründe – 20
  • Effektivität – 20
  • Exhibitionismus – 0
  • Geld – 20
  • Idealismus – 20
  • Ruhm – 5
  • Spieltrieb – 10

Soviel also zur grundsätzlichen Motivation. Und die daraus resultierenden Ziele? Nun, möglichst kurz formuliert möchte ich eine Öffentlichkeit aufbauen. Ich möchte durch mein Engagement und meine Arbeit erreichen, dass eine immer größere Anzahl an Menschen sich die Adresse journalist-und-optimist.de merkt, sie regelmäßig aufruft und sich für die hier veröffentlichten Inhalte interessiert. Ich möchte die Entwicklung des Medium Blog in Deutschland fördern, Menschen motivieren, Blogs zu lesen, so normal wie sie sonst auch Zeitung lesen oder die Tagesschau ansehen. Dabei steht für mich weniger der kulturelle, literarische Aspekt mancher Blogs im Vordergrund als mehr die Kultur des kritischen Hinterfragens von Informationen, für die heute jeder Internetnutzer bereits die besten technischen Vorraussetzungen besitzt. Diese Kultur wird heute nirgendwo so gut gepflegt und vermittelt wie in der Blogosphäre.

Als jemand, der seine ersten journalistischen Jahre im Lokalzeitungsbereich tätig gewesen ist und gemerkt hat, wie dort nach und nach kommerzielle und politische Aspekte ethische Überlegungen fast vollkommen in den Hintergrund gedrängt haben, fasziniert mich die Möglichkeit, als Einzelperson auf direktem Wege Hunderte oder auch Tausende Menschen zu erreichen. Einen großen Reiz übt dabei auch die bei klassischen Medien bislang ungekannte Interaktion mit den Lesern aus. Eine Berichterstattung ist keine einmalige Handlung mehr, sondern im optimalen Falle ein Prozess, der unter Teilnahme der Leser ein Ergebnis, eine Erkenntnis zur Folge hat. Ich bin fest davon überzeugt, dass sich unser Verständnis von Medien und die Art wie wir sie konsumieren innerhalb der nächsten Jahre fundamental verändern wird. Und dabei im Rahmen meiner bescheidenen Möglichkeiten produktiv mitzuwirken – das ist mein Ziel.

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  1. July 5th, 2007 at 10:20 | #1

    Na ja, nach drei bis sechs Monaten kann man sicher 100 – 200 Euro machen, aber wohl nur mit trigami-Schweinkram. Ob das zu den Ambitionen eines Journalisten passt, wage ich zu bezweifeln. Anonsten bleibt nur Adsense, was bekanntlich kaum etwas abwirft und vermietete Links, die auch deutlich darunter bezahlt werden.

  2. July 5th, 2007 at 11:50 | #2

    Mensch André, da schreibe ich 7773 Zeichen über meine Beweggründe fürs Bloggen und der erste Kommentar bezieht sich auf den kleinen Absatz zum Finanziellen. ;-)

    Also, ich glaube mit einem PR3 oder 4 Blog und 200 bis 300 Besuchern täglich sollte sich auch durch Adsense und Linkverkauf alleine die oben genannte Summe erreichen lassen.

    Was Trigami angeht, so fühle ich mich ja irgendwie von Dir direkt angesprochen, weil ich vorgestern mein erstes “Schweinekram-Posting” veröffentlicht habe und heute wahrscheinlich mein zweites folgen wird. Ich halte Marketing und Produktwerbung an sich für nichts schlechtes. Genaugenommen lebt unser ganzes Mediensystem davon. Wichtig für mich und mein journalistisches Selbstverständnis ist dabei vor allem die Transparenz.

    Nehmen wir als Beispiel die frisch in die Kritik geratene über Trigami zustande gekommene Berichterstattung über das Unternehmen “yourcha.com”. Da haben mehrere Blogger in der Tat einfach nur ihre Zeilen abgerissen und ein 0815-Werbe-Posting erstellt. Eine hat aber mal hinterfragt bzw. eine Suchmaschine genutzt und dann – “ehrlich & fair” wie von Trigami gefordert – bereits existierende Kritik an Beteiligten Mitarbeitern mit dem aktuellen Projekt in Verbindung gebracht. Wer sich nun im Netz über das Unternehmen informiert, wird an diesen kritischen Anmerkungen gar nicht vorbei können. Wenn ich mir nun im Vergleich überlege, wie viele Portale im Stile von yourcha.com täglich Anzeigen in Deutschlands Printmedien schalten und dafür dann nicht selten unter der Hand auch auf dem redaktionellem Platz irgendeiner Sonderthemenseite einen Pressemitteilungstext veröffentlicht bekommen, ohne dass es irgendjemand jemals erfährt, fällt für mich die ethisch-moralische Bilanz von Trigami nicht allzu schlecht aus – auch oder gerade aus journalistischer Perspektive.

  3. July 5th, 2007 at 19:45 | #3

    Stimmt, das könnte man als undankbar bezeichnen, aber immerhin hast Du das Geldverdienen mit 20 von 100 Punkten als Beweggrund relativ hoch gewichtet.

    Trigami hat kein glückliches Händchen bei der Auswahl der zu rezensierenden Unternehmen bewiesen. Sich hinterher lediglich als Vermittler hinzustellen war m. E. ebenfalls nicht sonderlich klug, brachte es doch das gesamte Prinzp der bezahlten Einträge in Verruf.

    Ich habe mir nicht alle Rezensionen zu der letzten Trigami-Aktion durchgesehen, aber ich habe doch einige recht unkritische Berichte gelesen, die mich daran zweifeln ließen, dass alle von Trigami beauftragten Blogger auch wirklich in der Lage sind, eine Suchmaschine zu benutzen. In Deinem Falle setze ich derartige Kenntnise voraus. Okay, die gekauften Beiträge sind eindeutig gekennzeichnet. Das macht es aus meiner Sicht nicht wirklich besser. Man kann über dieses Thema sicherlich viel hin- und herdiskutieren, das spare ich mir einfach. Jeder muss für sich grundsätzlich die Entscheidung treffen, ob er mit gekauften Beiträgen Geld verdienen will – oder eben nicht.

    Google-Adsense bringt kaum etwas ein – schon gar nicht bei 200 Besuchern pro Tag (hängt natürlich auch von der thematischen Ausrichtung des Blogs ab) und die Erlöse aus dem Linkverkauf sind ebenfalls überschaubar.

  4. March 17th, 2008 at 21:29 | #4

    das sind wirklich gute gründe fürs bloggen

  1. September 14th, 2007 at 17:54 | #1
  2. December 7th, 2007 at 00:11 | #2
  3. December 10th, 2007 at 04:05 | #3
  4. December 10th, 2007 at 13:22 | #4
  5. December 11th, 2007 at 13:16 | #5
  6. February 4th, 2008 at 17:55 | #6
  7. February 17th, 2008 at 14:19 | #7
  8. March 3rd, 2008 at 00:34 | #8
  9. March 4th, 2008 at 22:00 | #9
  10. October 9th, 2008 at 16:41 | #10