Etwas, dass Google-Pressesprecher Stefan Keuchel bei einem Besuch im Mai 2008 noch betont hatte, war die große Zurückhaltung des Unternehmens in Sachen Eigenwerbung. Doch die Zeiten ändern sich. Und nachdem kürzlich anlässlich der Google-Phone-Premiere das erste Mal Werbung auf der Google-Startseite erschien, scheint Google nun Adsense-Werbung für Adsense/bzw. AdWords zu schalten. Ein größeres Maß an Eigenanzeigen zu Heften des gleichen Verlagshauses sind in Magazinen ja immer ein Anzeichen dafür, dass sich nicht alle Anzeigenplätze verkaufen ließen. Ob die Werbekrise sich inzwischen so ausgeweitet hat, dass sogar im digitalen Werbebereich nicht alle Spots belegt sind?
Screenshot von Abendblatt.de vom 18.2., 23.20 Uhr

Meiner Meinung nach war so etwas wie das Missy-Magazine mehr als überfällig. Die Gleichberechtigung der Frau ist auch heute noch ein ungemein vertracktes Thema, ja vielleicht sogar noch viel vertrackter als zu Hochzeiten von Alice Schwarzer und ihrer Emma, in denen die Unterdrückung des weiblichen Geschlechts in der Gesellschaft um einiges offensichtlicher und somit das gemeinsame “Feindbild” deutlicher war als in diesen Tagen. Denn auch wenn Gleichberechtigung als Thema schon ein alter Hut und überhaupt nicht mehr in zu sein scheint, verdienen Frauen trotzdem in Deutschland weniger für die gleiche Arbeit und erlangen statistisch um einiges seltener Führungspositionen. Die Autorinnen des Missy-Magazine könnten diese Liste wahrscheinlich problemlos um einige Punkte erweitern. Von Stichworten wie Beschneidung, Zwangsheirat – sowohl in Deutschland als auch noch stärker im Ausland und hier besonders in Entwicklungsländern – wollen wir lieber gar nicht erst anfangen. Also nochmal: Ich freue mich, dass es endlich nach all den Jahren ein von jungen Frauen gemachtes Magazin gibt, das sich mit frecher Sprache und einem gewagten Mix aus ernsthaften politischen und Pop-Themen an das Thema Gleichberechtigung Zwei-punkt-null wagt.

Wenn sie thematisch auch neue Wege gehen, funktionieren einige Dinge jedoch natürlich trotzdem wie im klassischen Zeitungsgewerbe. Zum Beispiel sind Anzeigenkunden daran interessiert, ihre Inserate neben möglichst themenaffinen redaktionellen Inhalten wiederzufinden, weil dies naturgemäß die Aufmerksamkeit des Lesers erhöht. So auch in Missy-Ausgabe 01/08, wo eine Kolumne folgendermaßen beginnt:
“Der Richtige
35 Prozent aller deutschen Frauen besitzen einen Vibrator. Ich will auch dazugehören. Aber wie finde ich den Richtigen? Ein Einkaufsbericht…”.
Und drei Mal darf man raten, für welches Produkt mit Slogans wie “love yourself”, “Qualität & Innovation” und “Made in Germany” auf der gegenüberliegenden Anzeigenseite geworben wird… .

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