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Die Souffleure der Mediengesellschaft – Buchrezension

9. Oktober 2008 Keine Kommentare

Auf Basis von Umfragen aus den Jahren 1993 und 2005 lassen sich in “Die Souffleure der Mediengesellschaft” interessante und dank der zugesicherten Anonymität der Befragten auch halbwegs ehrliche Angaben über die Arbeitssituation und das Selbstverständnis der journalistischen Zunft gewinnen. Der Hamburger Journalistik-Professor Siegfried Weischenberg scheut mit seinen Mitautoren Maja Malik und Armin Scholl dabei augenscheinlich keine Provokation. Beispielsweise warnen sie offen vor der Tendenz, dass Journalisten besonders nach einer gewissen Fernsehpräsenz selbst zu Prominenten werden können. Diese “Alphatiere” oder auch “Häuptlinge” prägen anschließend das Bild einer gesamten Berufsgruppe, von der sie selbst statistisch nur einen Bruchteil ausmachen und können durch ihre Netzwerke und Klüngelei das Gleichgewicht der Machtverhältnisse innerhalb der Branche ins Wanken bringen. Außerdem prangern die Autoren Boulevardisierung und überzogene Sparmaßnahmen an.

Überraschend unverblümt ist zu lesen, dass die Ideen für die Zusatzgeschäfte mit Büchern, Lexika, Musik- und Film-Editionen, die bei den größeren Verlagen Zeitungsverlagen teilweise enorme Einnahmen bescheren, alle “nur (aus dem Ausland) geklaut sind” (wörtliches Zitat). Wer sich für die Unterschiede der Ergebnisse von 1993 und 2005 interessiert, erfährt unter anderem, dass die Bereitschaft, bei Recherchen “härtere Methoden” wie versteckte Kameras anzuwenden, deutlich abgenommen hat. Etwas kurz kommt im Werk der Einfluss von Bürgermedien und Blogs zur Sprache. Auf ganzen zwei Seiten geht es um neue Kommunikationsformen, wobei die Verfasser Argumente für (Dan-Rather-Geschichte) und gegen (ungefilterte PR-Einflüsse) Blogs nennen. Weiterhin beschäftigt das Autorentrio sich mit dem persönlichen Umfeld, sozialen Bindungen, der professionellen Arbeitsumgebung sowie Tendenzen der Kommerzialisierung und Deprofessionalisierung. Das gesamte Zahlenmaterial lässt sich im Anhang in Tabellenform betrachten und für eigene Interpretationen nutzen.

So interessant die Resultate auch sein mögen, muss man sich natürlich über den Hintergrund der Studie klar sein. Wie im Buch erläutert wird, hat die ursprüngliche Menge an geplanten 3.534 zu befragenden Journalisten aus allen relevanten Medienbereichen, Hierarchiestufen und Geschlechtern in Deutschland im Ergebnis 1.536 tatsächlich verwertbare Interviews gebracht. Dabei sollten aber auch Faktoren wie die Zeitnot und die letztendlich nicht vollkommene Anonymität während der Befragung berücksichtigt werden. Welcher Chefredakteur oder Ressortleiter wird sich im Schnitt 38 Minuten (Angabe aus dem Buch) Zeit nehmen, um gegenüber einer wildfremden Person am Telefon aus dem Nähkästchen zu plaudern und alle Schwachpunkte und Nachteile seiner Arbeitsstelle offen und unverblümt zu nennen? Gerade wenn jemand unter Druck steht, täglich um seine Position oder seine Anstellung kämpfen zu müssen – eine heute leider nicht allzu seltene Situation – wird er sich meiner Meinung nach vermutlich bei so einer Befragung eher versöhnlicher und optimistischer zeigen, um keine unangenehmen Folgen zu riskieren. Anderseits mag mancher auch durch die aktuellen – und auch im Buch deutlich werdenden – Unwägbarkeiten so angefressen sein, dass er den Interviewern zwar nicht vom Bürotelefon wohl aber vom Privathandy oder nach Feierabend vom Festnetzanschluss offen Rede und Antwort steht.

Dieses Hinterfragen der angewandten Methode soll jedoch nicht in den Hintergrund rücken lassen, dass das Buch ein ungemein interessanter Beitrag zur deutschen journalistischen Fachliteratur ist. Und gerade die negativen und kritischen Tendenzen, die sich so deutlich und vor allem durch eine Datenbasis fundiert an anderer Stelle kaum finden lassen, zeigen, dass das Konzept greift. “Die Souffleure der Mediengesellschaft” ist nicht mehr und nicht weniger als Pflichtlektüre für jeden, der sich ernsthaft mit der aktuellen Situation des Journalismus in Deutschland auseinandersetzen möchte.

> Link zu einer 18-seitigen Leseprobe (PDF).
> Link zum Inhaltsverzeichnis (PDF)
> Link zum Buch auf der Verlagsseite

Die Souffleure der Mediengesellschaft
Report über die Journalisten in Deutschland
Siegfried Weischenberg
Maja Malik
Armin Scholl
1. Auflage 2006, 316 Seiten
ISBN 978-3-89669-586-4
19,90 Euro

Das Buch ist erhältlich direkt beim UVK-Verlag sowie in sämtlichen Buchhandlungen.

10.000 Euro Recherchestipendium von NEON

23. Juni 2008 1 Kommentar

NEON vergibt insgesamt fünf Recherchestipendien im Wert von jeweils 10.000 Euro. Unter www.neon.de/recherchestipendium stehen die Kontaktdaten. Bewerber müssen unter 40 Jahren alt sein und ein Exposé einreichen. Außerdem sollten die entstehenden Geschichten zuerst NEON angeboten werden.

Via recherche-info.de

Kein Schmu – 1000 Euro für einen Blogbeitrag

8. Juni 2008 2 Kommentare

Wer zwischen 7 und 25 Jahre alt sowie journalistisch interessiert ist, kann mit bzw. für einen einzigen Blogbeitrag 1000 Euro erhalten. Kein Schmu! Wer es nicht glaubt: Unter www.medienwettbewerb.de finden sich alle wichtigen Informationen zum Jugend-Medienwettbewerb Überflieger. Einsendeschluss ist der 15. Oktober 2008.


Regelmäßig werden in Blogs herkömmliche Medien kritisiert oder zumindest kritisch beäugt. Hier gibt es nun – meines Wissens nach zum ersten Mal – die Möglichkeit, auf einer Augenhöhe mit klassischen Medienformen an einem Wettbewerb teilzunehmen. Zugelassen sind in Printmedien veröffentlichte Artikel genauso wie Beiträge in Blogs oder sogar auf Myspace-Seiten. Wichtig ist nicht das Medium, sondern die Qualität. Dabei sind auch weder Lobeshymnen noch Gefälligkeitsjournalismus gefragt. Ein handwerklich guter kritischer Beitrag hat wahrscheinlich sogar größere Chancen auf einen der vorderen Plätze, als ein kurzes Stück ala Ich-finde-alles-ja-so-wahnsinnig-toll.

Die Höhe der Preisgelder zeigt, wohin es geht: In den drei Kategorien Text, Audio und Video gibt es jeweils für die besten drei Beiträge 1000, 750 und 500 Euro zu gewinnen. Dazu hat der Fachbuchverlag UVK noch hundert Journalismus-Bücher zur Verfügung gestellt. Wer sich also ein bisschen Mühe gibt, hat ausgezeichnete Chancen, mindestens ein Buch zu gewinnen.

Das Thema ist nicht festgelegt – es sollte sich nur um etwas aus dem Bereich Modellflug handeln. Wenn jemand kreativ ist und einen eigenen Ansatz findet, umso besser. Zur Orientierung finden sich auf der dazugehörigen Webseite schon ein paar Rechercheideen für mögliche Themen, wie z.B. Modellflug & Sport, Modellflug & Technik, Modellflug & Jugend und Modellflug & Natur. Auf der Seite gibt es auch weitere Materialien, ein Blog mit Neuigkeiten, ein Forum sowie kostenlos zu verwendende Fotos.


Ich bin übrigens selbst bei der Organisation des Überfliegers beteiligt (wie auch Christoph und Jan vom Kuchenblog) und hoffe natürlich, dass möglichst viele bloggende Nachwuchsjournalisten sowie talentierte Blogger die Gelegenheit wahrnehmen, im Rahmen des Wettbewerbs zu zeigen, dass es im Jahr 2008 nicht mehr nur allein auf die Medienform sondern mehr noch auf inhaltliche Qualität ankommt. Wenn ihr das ebenfalls unterstützenswert findet, nehmt doch selbst mit einem Beitrag (wenn ihr im passenden Alter seit), weißt journalistisch interessierte Jugendliche darauf hin oder bloggt darüber.

Für Fragen und Anmerkungen zum Wettbewerb sind das Forum und die Kontaktdaten unter www.medienwettbewerb.de der richtige Ort.

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