An mir ist es irgendwie vorbeigegangen, deswegen möchte ich nochmal drauf hinweisen. Der überaus aktive Fachschaftsrat Journalistik an der Universität Hamburg hat nach seinem ersten Magazin-Projekt “Injektion” auch eine regelmäßige Beilage in der TAZ mit dem Titel “Halbstark” zu verantworten. Die erste Ausgabe gibt es hier zum Download als PDF-Datei.

Die Initiative Nachrichtenaufklärung (HP/Wikipedia-Eintrag) hat bereits zum zwölften Mal die Liste der zehn in den Medien am meisten vernachlässigten Themen veröffentlicht.
- Zu viele Straftäter in der Psychiatrie
- Pharmaindustrie unterwandert Patienten-Blogs
- Kupferbelastung der Umwelt durch ersetzbare Bremsbeläge
- Gefährlichkeit starker Psychopharmaka
- SED-Vermögen: Immer noch in Liechtenstein und anderswo versteckt?
- Gefahren durch Uran-Munition in Kriegsgebieten
- Pauschale Berichterstattung über Entwicklungsländer
- Idealisiertes Mutterbild statt Berichterstattung über postnatale Depression
- Undifferenzierte Berichterstattung über Migranten
- Menschenunwürdiger Umgang mit Totalverweigerern in der Bundeswehr
Gerade jene ambitionierte Blogger, die nicht lange zögern, um den klassischen Journalismus zu kritisieren, sollten sich überlegen, zu den genannten Themen zu veröffentlichen. Es ist immer leichter, die Produkte von anderen zu kritisieren, als selbst etwas zu schaffen. Ein paar Scoops in diesem Jahr könnten dem Medium Blog sicherlich weiteren Auftrieb geben.
Ich frage mich zum Beispiel seit längerem, warum gerade größere Medien nicht das Thema 6. aufgreifen. Denn der vor allem in den Anfangsjahren sehr sorglose Umgang mit sogenannter DU-Munition sowie die Folgen für die Bevölkerung des jeweiligen Einsatzlandes bergen eine Menge politischen Sprengstoff. Nicht zuletzt könnte es lohnenswert sein, zu hinterfragen, welche Rolle die Bundeswehr dabei gespielt hat und ob und wenn ja in welchem Maße den beteiligten Soldaten gesundheitliche Beeinträchtigungen daraus entstanden sind.
Aber auch das zweite Thema müsste eigentlich ein gefundenes Fressen für investigative Blogger sein – nicht zuletzt weil der durchschnittliche Journalist vielleicht gar nicht über die technischen Hintergrundkenntnisse verfügt, um so eine Geschichte derart zu recherchieren, wie Personen, die sich täglich dort bewegen.
Hier geht es zur betreffenden Seite und hier zur Pressemitteilung. Abschließen möchte ich mit einem Hinweis auf das Blog “Der blinde Fleck” der Initiative Nachrichtenaufklärung, auf dem immer mal wieder interessantes zu lesen ist.

Screenshot: Internet-Präsenz Wirtschaftswoche
Die Wirtschaftswoche hat auf ihrer Internetseite eine Info-Grafik zur aktuellen Situation des deutschen Zeitungsmarktes veröffentlicht. Das Ganze lässt sich als PDF-Datei kostenlos herunterladen. Schon die Überschrift macht eine negative Tendenz deutlich, die sich auch durch die Karte belegen lässt: Die Vielfalt auf dem Zeitungsmarkt ist im Schwinden begriffen, da immer weniger Medien von immer weniger Besitzern immer öfter (via Zentralredaktion, Korrespondenten-Sharing, Agentur oder Pressemitteilungen) die gleichen Inhalte veröffentlichen. Daumen hoch für die Redaktion der Wirtschaftswoche für diese Übersicht und für die Behandlung des Themas. Ich würde mir wünschen, dass auch andere Medien dies aufgreifen würden, nur leider würde dies für das eine oder andere Verlagshaus wohl bedeuten, auf die eigenen Unzulänglichkeiten hinzuweisen.
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