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Meedia sendet die Titelseiten des Tages um 9 Uhr als Newsletter

June 18th, 2009 Joachim 2 comments

Die Medienseite Meedia hat ihren Newsletter-Service erweitert. Besonders interessant ist meiner Meinung nach die Option, sich täglich ab 9 Uhr per Newsletter die aktuellen Titelseiten deutscher, englischer und amerikanischer Tageszeitungen zusenden zu lassen. Mein persönlicher Tipp zum Abonnieren für alle festangestellen und freien Journalisten sowie sonstigen an Medien interessierten Personen: Der Turi2-Newsletter für die inhaltlichen Infos, das Jonet-Abo für die journalistischen Hintergrunddiskussionen (inklusive täglichem Medienlog) und der Titelseiten-Newsletter von Meedia, der einem nicht nur einen inhaltlichen sondern auch optischen Eindruck der Medienthemen des Tages gibt. Alle drei Dienste werden kostenlos angeboten.

Neuer Titelseiten-Newsletter von Meedia.de

Wer wird jetzt die Fragen stellen? – Das Aus der Rocky Mountain News

March 2nd, 2009 Joachim No comments

Nach fast 150 Jahren hat die amerikanische Tageszeitung Rocky Mountain News dicht gemacht. Ich habe keine Zeit gehabt, mich genauer in den individuellen Fall der Zeitung einzuarbeiten, so dass ich hier eine eigene fundierte Meinung zu der Frage äußern kann, ob die Schließung wirklich wirtschaftlich unvermeidbar gewesen ist. Aber für Interessierte gibt es im Netz reichlich Material und Standpunkte zu dem Thema. Als Ausgangspunkt für eine Recherche eignen sich zum Beispiel der englische Wikipedia-Eintrag und ein eigenes Blog der Mitarbeiter “I want my Rocky”.

Interessant dürfte zudem eine 20-minütige Dokumentation sein, die in englischer Sprache frei im Netz zu sehen ist.


Final Edition from Matthew Roberts on Vimeo.

In dem Film stellt eine ehemalige Mitarbeitern der Rocky Mountain News eine Frage, die ich als Kernaussage des Ganzen betrachte und deswegen auch für die Überschrift dieses Blogbeitrags verwendet habe. Sie fragt, wer denn jetzt die Fragen stellen wird, die zuvor die (für ihre Recherchen erst 2006 mit dem Pulitzer-Preis geehrten) RMN-Reporter gestellt haben? Und frei übersetzt sowie in einen etwas erweiterten Kontext gestellt sollten wir alle uns darüber mal Gedanken machen: Wenn es die traditionellen Medien mit ihren Journalisten nicht mehr gibt – wer wird dann die Fragen stellen?

<via thomas knüwer><via franziskript>

NACHTRAG 2.3.2009: Hier noch der Hinweis auf die Internetseite der Zeitung selbst rockymountainnews.com und eine ausgezeichnete Kolumne eines Journalisten names Mike Littwin mit dem Titel “Not just closing doors, but dying”.
Eine Kostprobe:

The guys in suits – and I say that as someone who doesn’t own one – don’t understand what it means to be in a newsroom, or if they once did, they forgot.

They’re businessmen, who talk in terms of quarters. We talk in terms of stories. The Rocky lived. It breathed. It told stories that annoyed and ones that thrilled. I love both.

oder

I’ve been writing for a newspaper since I was 16. There were plenty of newspaper jobs at the time – in the days of hot type, when you read the stuff backwards and upside down, and there weren’t yet computers, only typewriters, and the guys in the composing room would slam your hand if you ever dared touch the hot type. It was romantic, at least if you were a kid and didn’t care about making money or getting home anywhere near dinner time.

Das Abendblatt reklamiert für sich Exklusivität im Internet – Die private Homepage der toten Familie aus Bad Bramstedt

February 26th, 2009 Joachim 3 comments

Für alles gibt es ein erstes Mal. Leider gehört dazu nicht, dass im Rahmen einer Familientragödie mehrere Menschen (darunter in jeder Hinsicht unschuldige minderjährige Kinder) zu Tode kommen. Aber neu an jenem aktuellen Fall aus Bad Bramstedt scheint zu sein, dass es eine persönliche Internetseite gibt, auf der der ebenfalls verstorbene Vater über einen gewissen Zeitraum Tagebuch geschrieben hat, genauer gesagt “Internet-Tagebuch”.

Wer die Vornamen der Familie googelt, erhält als ersten Treffer jene Seite mit Fotos und persönlichen Informationen. Ob Journalisten auf genau diese Weise zufällig an den Link gelangt sind, oder einen Tipp von Nachbarn sowie Bekannten erhalten haben, soll uns egal sein. Auf jeden Fall hat das Abendblatt unter der Überschrift “Internet-Tagebuch des Familienmörders” die persönlichen Einträge auf der Seite in einer Weise behandelt, die sich bestenfalls als Ausschlachten bezeichnen lässt.

Man beachte die – angesichts der Funktionsweise des weltweiten Datennetzes absurde – Bemerkung: “Dem Abendblatt liegt exklusiv das Internet-Tagebuch (Blog) des Familienvaters vor – mit Einblicken in die Seele eines Verzweifelten.” Anscheinend geht die Redaktion davon aus, dass ihr Wissen um den betreffenen Link einen gewissen Wert darstellen würde, den sie sich erhalten könnte, in dem sie ihn nicht in ihrem Artikel nennt.

Übrigens hat auch das NDR-Medienmagazin Zapp sich in seiner neuen Ausgabe dieses Themas angenommen. Und auch hier wird die betreffende Seite nur gezeigt, nicht aber der Link genannt. Warum lässt man die interessierten mündigen deutschsprachigen Internetnutzer nicht selbst “Einblicke in die Seele eines Verzweifelten” (O-Ton Abendblatt) gewinnen?

Es geht dabei immerhin nicht um ein handschriftliches Manuskript, das bei einem Anwalt im Safe liegt, sondern um eine öffentlich zugängliche Internetseite. Hier (http://freenet-homepage.de/tuxracer33/) bzw. hier (http://www.tuxracer33.de.gg/) ist die Seite, hier direkt das Blog, hier der Youtube-Zugang. Und falls der eine oder andere Knallkopf das hier lesen sollte, weise ich noch mal extra drauf hin, dass ich mir wünsche, dass alle nun eventuell über diesen Link auf die Seite gelangenden Besucher auch die “Totenruhe” der Urheber zu respektieren vermögen. Darunter verstehe ich, dass nun niemand dort das Gästebuch vollspammt bzw. in dem Blog irgendwelche Mistkommentare hinterlässt.

Screenshot der privaten Homepage von Klick.

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