Für alles gibt es ein erstes Mal. Leider gehört dazu nicht, dass im Rahmen einer Familientragödie mehrere Menschen (darunter in jeder Hinsicht unschuldige minderjährige Kinder) zu Tode kommen. Aber neu an jenem aktuellen Fall aus Bad Bramstedt scheint zu sein, dass es eine persönliche Internetseite gibt, auf der der ebenfalls verstorbene Vater über einen gewissen Zeitraum Tagebuch geschrieben hat, genauer gesagt “Internet-Tagebuch”.
Wer die Vornamen der Familie googelt, erhält als ersten Treffer jene Seite mit Fotos und persönlichen Informationen. Ob Journalisten auf genau diese Weise zufällig an den Link gelangt sind, oder einen Tipp von Nachbarn sowie Bekannten erhalten haben, soll uns egal sein. Auf jeden Fall hat das Abendblatt unter der Überschrift “Internet-Tagebuch des Familienmörders” die persönlichen Einträge auf der Seite in einer Weise behandelt, die sich bestenfalls als Ausschlachten bezeichnen lässt.
Man beachte die – angesichts der Funktionsweise des weltweiten Datennetzes absurde – Bemerkung: “Dem Abendblatt liegt exklusiv das Internet-Tagebuch (Blog) des Familienvaters vor – mit Einblicken in die Seele eines Verzweifelten.” Anscheinend geht die Redaktion davon aus, dass ihr Wissen um den betreffenen Link einen gewissen Wert darstellen würde, den sie sich erhalten könnte, in dem sie ihn nicht in ihrem Artikel nennt.
Übrigens hat auch das NDR-Medienmagazin Zapp sich in seiner neuen Ausgabe dieses Themas angenommen. Und auch hier wird die betreffende Seite nur gezeigt, nicht aber der Link genannt. Warum lässt man die interessierten mündigen deutschsprachigen Internetnutzer nicht selbst “Einblicke in die Seele eines Verzweifelten” (O-Ton Abendblatt) gewinnen?
Es geht dabei immerhin nicht um ein handschriftliches Manuskript, das bei einem Anwalt im Safe liegt, sondern um eine öffentlich zugängliche Internetseite. Hier (http://freenet-homepage.de/tuxracer33/) bzw. hier (http://www.tuxracer33.de.gg/) ist die Seite, hier direkt das Blog, hier der Youtube-Zugang. Und falls der eine oder andere Knallkopf das hier lesen sollte, weise ich noch mal extra drauf hin, dass ich mir wünsche, dass alle nun eventuell über diesen Link auf die Seite gelangenden Besucher auch die “Totenruhe” der Urheber zu respektieren vermögen. Darunter verstehe ich, dass nun niemand dort das Gästebuch vollspammt bzw. in dem Blog irgendwelche Mistkommentare hinterlässt.
Screenshot der privaten Homepage von Klick.
