Muse Live in der Color-Line-Arena (28.10.2009)
Gemeinsam mit einem langjährigen Muse-Fan durfte ich mich gestern in der Color-Line-Arena davon überzeugen, dass diese Band (Wikipedia-Info zu Muse) es tatsächlich schafft, ihre Lieder auch auf der Bühne so zu performen, dass praktisch kein Unterschied zu einer CD-Aufnahme festzustellen ist. Einzig ein kurzer Mikrofon-Ausfall bei Sänger Matthew Bellamy machte deutlich, dass es sich nicht um Playback handelte.
Zentrales optisches Element der Show sind drei Säulen mit quadratischer Grundfläche, deren untere Hälfte sich über eine Hebebühne komplett auf das Höhenniveau der restlichen Bühne absenken lässt und deren obere Hälften dank großflächiger LED-Matten als gigantische Bildschirme funktionieren. Die Bilder auf den Flächen bestehen zum geringeren Teil aus vorbereiteten Animationen und Grafiken, während die meiste Zeit Live-Aufnahmen der Künstler zu sehen sind.
Zu jedem der gespielten Lieder wechselten Bellamy oder/und sein Bassist ihre Position und ihr Instrument. Die angesprochenen Bildschirme sorgten für ein abwechslungsreiches Farbenspiel, bis auf zeitweilige Lasershow-Einlagen (erinnert sich noch jemand an die Lasershow im Cinemaxx vor 10 Jahren?) und ein bisschen Nebel und Rauch hielten sich aber die Show-Effekte in Grenzen. Mit der Ausnahme von 15 Riesenballons mit Papierschnipseln und einer von Bellamy ins Publikum geworfenen Leuchtbrille gestaltete sich das Geschehen vor der Bühne eher unspektakulär. Die Lautstärke war konservativ gewählt, was mir gefiel. Das Publikum äußerte sich das Konzert über vergleichsweise zaghaft durch Klatschen und braves Auf-der-Stelle-hüpfen. Bis auf einen kürzeren 5-minütigen “Todeskreis” gegen Ende hielt sich auch das Tanzen in deutlichen Grenzen.
Überdenkenswert finde ich den Umgang der Veranstalter mit Digitalkameras. Eigentlich sind sie verboten gewesen. Bei den ersten drei Liedern versuchte die Kurzhaarschnitt-Security vor der Bühne noch tapfer, mit Taschenlampen die vereinzelt hochgehaltenen Kameras zu blenden. Irgendwann hörten sie aber damit auf und bei den letzten drei Liedern blickte ich vor mir auf eine Front von kleinen Leuchtdisplays. Da es organisatorisch auch überhaupt nicht zu leisten ist bzw. sinnvoll ist, bei einem Konzert mit Tausenden Teilnehmern jedem die Kamera abzunehmen, sollte meiner Meinung nach die Nutzung und Aufnahme bei derartigen Veranstaltungen allen Anwesenden frei gestellt werden. Auch so stehen bei Youtube mittlerweile zahlreiche Aufnahmen von gestrigen Lieder online. Momentan wird es aber anscheinend zuerst verboten und dann in Ausnahmen toleriert. Geschädigt sind diejenigen, die sich an die Regeln halten und am Ende ebenfalls ihre 50,- Euro pro Ticket ausgegeben haben, ohne dafür ein Erinnerungsfoto zu bekommen. Ich glaube nicht, dass auch nur eine einzige Live-DVD weniger verkauft wird, wenn Leute Handyvideos bei Konzerten machen dürfen.
Fazit: Schöner Abend. Gute Show. Solide Leistung der Band. War das Geld wert.



