Günter Wallraff is back in town
Günter Wallraff hat sich nach jahrelanger Pause wieder aufgemacht und verdeckte Recherche betrieben. Mit seinen Projekten in den Sechziger- und Siebzigerjahren hat Wallraff nicht nur Neugierde, sondern auch soziales Engagement bewiesen und damit ganze Generationen von Journalisten inspiriert. Es ist erstaunlich, dass es in Deutschland bis heute niemand geschafft hat, in seine die Fußstapfen zu treten. An geeigneten Themen dürfte es ja nicht mangeln.
Und so hat Wallraff sich erneut verkleidet Dies mal hat er für das frisch aufgelegte Zeit-Magazin die Hintergründe der Callcenter-Szene in Deutschland recherchiert und ein informatives, schönes Stück daraus gemacht, das hier offen im Netz steht. In meinen Augen sind sowohl dieser Text als auch die Bücher von Wallraff Pflichtlektüre für jeden Journalisten, der mit seinem Beruf auch nur ein Fünkchen Idealismus verbindet.
Die Hintergründe zu seiner Rückkehr in den aktiven investigativen Journalismus erläutert Wallraff übrigens hier in einem Video. Wir erfahren auch, dass die Callcenter-Geschichte kein Einzelfall bleiben solle und dass er sich über die Erkennbarkeit seiner Verkleidungen keine Sorgen mache, weil ihn im aktuellen Fall selbst seine eigenen Kinder nicht wiedererkannt hätten.
Was ich übrigens nicht wusste: Wie hier zu lesen ist, wird in Schweden in Anlehnung an die Aktivitäten Wallraffs die journalistische Recherche unter falscher Identität mit dem Verb wallraffa bezeichnet.



