Entwicklungsgeschwindigkeit abschätzen – Hipstamatic-Serie Teil 6
Das Bergfest der Hipstamatic-Serie ist vorüber und ihr wisst jetzt alles über die Filme, Linsen, Blitze, Auflösungen und den Auschnitt des Suchers. Nun kommen wir zu einem weiteren Aspekt: Der Zeit, die die Foto-App zum Auslösen und zum Rendern der Fotos benötigt.
Anfangs dachte ich, dass es sich um einen Gag handelt, als ich zum ersten Mal nach 9 schnellen Hipstamatic-Fotos in Folge die Meldung sah, dass der “Film gewechselt werden muss”. Mittlerweile denke ich, dass sich hinter diesem Retro-Effekt ein ganz praktischer Nutzen verbirgt: Das iPhone braucht die Pause, um in Ruhe alle Fotos mit dem gewünschten Filtereffekt bearbeiten zu können. Denn so, wie ich gestern über den “Schummel-Zoom” schrieb, handelt es sich natürlich bei der Hipstamatic-App auch um “Schummel-Linsen” und “Schummel-Filme”. Im Endeffekt nutzt die App die ganz normalen Kamerafähigkeiten des iPhones und versieht die Bilder anschließend auf Basis eurer Auswahl mit einem sogenannten Filtereffekt. Wer sich mal Photoshop, Gimp, Picasa oder andere Bildbearbeitungssoftware angesehen hat, weiß dass auch dort bereits existierende Fotos den “Look eines Gemäldes” oder das “Aussehen einer Schwarz-Weiß-Kopie” erhalten können.
Hipstamatic braucht also etwas Zeit, um euren Fotowunsch zu erfüllen und die Entwickler haben eine charmante Lösung dafür gefunden, die Nutzer gerne warten zu lassen. Beim Blick auf die Meldung “Winding Film Roll” wird wohl niemand wirklich böse, sondern denkt an jene Zeiten zurück, als es noch keine Digitalkameras gab und jede Analogkamera nach dem letzten Bild den Film mehr oder weniger lautstark per Motor in sein Metallgehäuse zurückbeförderte. Motor? Ach was sag ich. Meine erste Kamera hatte sogar noch einen kleinen Hebel, an dem man mit der Hand den Film zurückdrehen musste. Vielleicht wird dies ja mal als Update bei Hipstamatic eingeführt, so dass ihr dort mit dem Finger auf dem Bildschirm kurbeln müsst, um einen noch perfekteren Retroeffekt zu erleben.
Doch zu den Fakten. Wie lange müsst ihr nun auf eure Bilder warten? Ich habe mal ein paar Versuchsreihen gemacht und herausgefunden, dass die Entwicklungszeit von folgenden Faktoren beeinflusst wird:
- Dem gewählten Film
- Der gewählten Linse
- Der gewählten Auflösung (je höher, desto länger)
- Dem Motiv selbst (glatte einfarbige Flächen lassen sich schneller umrechnen, mit Details versehene Panorama-Fotos).
Die Auslösegeschwindigkeit liegt bei ca. 1 Sekunde pro Foto und ist bei unserer weiteren Untersuchung zu vernachlässigen. Interessanter ist die durchschnittliche Entwicklungszeit pro Bild. Mit den Standardeinstellungen (Blanko als Film, John S. als Linse, ohne Blitz) benötigt ein Bild 27,5 Sekunden zur Entwicklung. Ich habe das Ganz mal am Beispiel der Linse “Bettie” und des Films “Ina’s 1969″ detailliert für euch aufgearbeitet. Die Angaben in der Tabelle sind Sekundenwerte, die ich altmodisch aber effektiv mit einer Stoppuhr genommen habe.

Das erste der neun möglichen Bilder wird anscheinend schon teilentwickelt, während “der Film gedreht wird”, so dass ich dafür keine einzelne klare Zeit ermitteln konnte. Deswegen beziehen sich diese Angaben wie in der Tabelle ersichtlich auf die letzten acht der neun zu entwickelnden Bilder. Den größten Effekt auf die Entwicklungsgeschwindigkeit scheint eindeutig die Auflösung zu haben, die jeweils nur ein Drittel der Zeit benötigt, wenn ihr sie eine Stufe runterschaltet.

Die Hochachse zeigt die benötigte Zeit in Sekunden, die Querachse jeweils die Reihenfolge der Fotos.
Fazit: Auch wenn eure Bilder in der niedrigsten Auflösung neun Mal so schnell entwickelt werden würden, würde trotzdem weiterhin nur die höchste Auflösung verwenden, da sie euch später mit euren Bildern die meisten Möglichkeiten offen lässt. Dank der Dateigröße von nur 1 MB wächst euch auch ein großes Hipstamatic-Archiv nicht über den Kopf. Zudem nutze ich die App meist eh nur für Aufnahmen mit künstlerischem Anspruch, wo ich entweder mit neun Bildern auf einmal locker auskomme oder gegebenenfalls auch mal 20 Sekunden warten kann, bis wieder ein Foto entwickelt ist und ich ein neues machen kann. Wer damit nicht auskommt kann in einer “Notsituation” ja bequem die App verlassen und in die normale Photo-App auf dem iPhone wechseln.
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