Drei Spitzenbeiträge bei Zapp – Aribert Heim, von Guttenberg, Lokalzeitungskrise
Die Beiträge der gestrigen Zapp-Sendung stehen online und es ist imho die beste seit langem. Drei Knallerthemen gibt es. Den Anfang macht eine Recherche zu dem Schicksal des KZ-Arztes Aribert Heim, der anders als bisher gedacht anscheinend der Strafverfolgung nach dem zweiten Weltkrieg entkommen und noch unerkannt mehrere Jahre in Ägypten Unterschlupf finden konnte. Eigentlich ja ein politisches Thema, aber der Zapp-Beitrag zeigt, das in diesem Fall Journalisten etwas aufklären konnten, bei dem deutschen Ermittlungsbehörden aufgrund gesetzlicher Schranken die Hände gebunden gewesen sind.
Bei der zweiten, ebenfalls ausgezeichneten Geschichte steht der neue Bundeswirtschaftsminister im Mittelpunkt. Es handelt sich aber nicht – wie ich zuerst vermutete – um eine Nacherzählung der Geschichte mit dem hinzugefügten “Wilhelm” bei Wikipedia (hier dazu Bildblog, Niggemeier-Blog), sondern um eine ernsthafte Eigenrecherche zur angeblichen Tätigkeit des von und zu Guttenberg (Wikipedia/HP) in einem deutschen mittelständischen Unternehmen. Hier wird erneut deutlich, wie verherrend sich der Verzicht auf eigene Nachrecherche in den deutschen Medien auswirkt, weil – bis auf Zapp – sonst alle in den letzten Tagen gedruckt haben, von Guttenberg sei bei einem Unternehmen für Baumaterialien tätig gewesen. Dieses hat aber mittlerweile auf ihrer Internetseite eine Stellungnahme veröffentlicht, in dem es eine Verbindung mit dem Bundeswirtschaftsminister dementiert.
Und nun kommen die kritischen Fragen: Ist es eine schlaue Wahl, jemanden in so einer Position zu haben, der anscheinend was es den außerpolitischen rein-wirtschaftlichen beruflichen Werdegang angeht, hauptsächlich damit beschäftigt gewesen ist, das Vermögen seiner eigenen Familie zu verwalten? Ist es möglich, trotz der finanziellen Kürzungen in Deutschlands Redaktionen trotzdem auch redaktionelle Meldungen wenigstens in Schlüsselstellen zu überprüfen, bevor die Informationen veröffentlicht werden? Wie wirkt es sich aus, wenn das allgemeine Geschehen von immer weniger unterschiedlichen unabhängigen Redaktionen beobachtet wird, die aus Zeitdruck zum Füllen ihrer Seiten immer öfter auf Fremdmaterial von Agenturen oder PR-Material zurückgreifen müssen.
In die Kerbe schlägt übrigens auch der dritte Beitrag über die Aus- bzw. Zusammenlegung von Mantelredaktionen hier an drei Beispielen: Nordkurier, Schweriner Volkszeitung und der Ostsee Zeitung. Ein wichtiges Thema, allerdings im Vergleich zu den beiden anderen Beiträgen einen Tick schwächer umgesetzt. Ich halte es generell für schwierig, wenn die Grundthese eines Beitrages mit spontanen Ausagen von Bürgern bei Straßeninterviews belegt werden soll, da sich hier sicherlich vollkommen unterschiedliche Aussagen finden lassen, von denen die Redaktion aber immer nur eine Auswahl präsentieren und damit die eigene Richtung untermauern. Im aktuellen Fall sind mir die Straßenstatements außerdem gefühlt ein bisschen zu Rentner-lastig. Allerdings ist es wohl auch schwer, zum Thema Zeitung genügend Aussagen aus allen Generationen zu finden, zumal wohl jüngere Passanten sich statistisch bereits nicht so intensiv mit dem Thema auseinandersetzen. Gut ist, dass der Bereich der neuen Medienideen im Netz Erwähnung findet. Und die im Beitrag genannte Gruppe um das studentische Medienprojekt Webmoritz.de ist sicherlich einen Bookmark wert.




Unser Wirtschaftsminister hat den Vogel abgeschossen. Da holt der sich
Unterstützung bei einer britischen Wirtschaftskanzlei, um sich bei dem Gesetzesentwurf zur Zwangsverwaltung von Banken, beraten zu lassen. Also ich dachte ja immer,dass das Wirtschaftsministerium genau dafür zuständig wäre, aber gut
ich lasse mich da ja gerne belehren *IRONIE*. Ganz großer Bockmist Herr von und zu Guttenberg.