Buchscanner Zeutschel OS 12000
Die Bibliothek vom Institut für Slavistik an der Universität Hamburg im 5. Stock des “Philosophenturms” (Van-Melle-Park 6) erstrahlt nach der Zusammenlegung mit der Bibliothek eines benachbarten Instituts in neuem Glanz. Hier ist nicht nur augenscheinlich viel Geld in die Sanierung der Räumlichkeiten geflossen – auch die Technik wurde ergänzt und so steht den Studenten seit kurzem in einem Extraraum ein eigener Buchscanner zur Verfügung.
Als ich den Zeutschel OS 12000 das erste Mal sah, musste ich Kopfschüttelnd an all die Bücher denken, die ich mühsam in den vergangenen Semestern zum Eigengebrauch auf meinem kleinen Flachbettscanner Canon CanoScan 4400F A digitalisiert habe, weil dies für mich bereits damals günstiger, platzsparender und praktischer war, als die herkömmliche Papierkopie im Copycenter. Dabei brauchte ich nach entsprechender Übung im Schnitt 10 bis 15 Sekunden pro Seite inklusive Seite-Umschlagen, Scan-Knopf betätigen, Scanner-auf-und-zu-klappen und gelegentlicher digitaler Bildnachbearbeitung.
Der Zeutschel OS 12000 scannt die Vorlage nicht von unten sondern von oben ein. Hier habe ich im Schnitt nun eine Geschwindigkeit von 2 bis 3 Sekunden pro Seite erreicht, was auch dem äußerst schnellen Scan-Vorgang selbst zu verdanken ist. Dabei lassen sich bei normalen Büchern immer zwei Seiten auf einmal einlesen, weshalb sich ein 400 Seiten dickes Taschenbuch in ungefähr 10 Minuten einscannen lässt. Bei dicken Buchrücken erweist sich die verstellbare und durch Knopfdruck fixierbare Auflagefläche (Stichwort “Buchwippe”) als praktisch.
Verwirrend sind die unterschiedlichen Handhabungen von losen Einzelpapierseiten und gebundenen Vorlagen. Erstere müssen mittig an den unteren Rand der Auflagefläche positioniert werden, letztere sollten zentral positioniert werden. Leider werden dabei in der mir hier zur Verfügung stehenden günstigen Basisvariante des Systems die haltenden Finger jeweils mit abgebildet. Die teureren Modelle bieten wohl neben allerlei Sondereinstellungsmöglichkeiten unter anderem eine Glasplatte zur Buchfixierung und eine Technologie namens “Perfect Book”, die in dem hier eingebetteten Unternehmensvideo erläutert wird:
Der Zeutschel OS 12000 Bookcopy verfügt leider nur über eine Auflösung von 300 dpi, was zwar beim Ausdrucken der Scans zu einer (abgesehen von den Fingerspitzen) relativ perfekten Kopie führt, eine weitere Nachbearbeitung mit OCR-Software aber relativ sinnlos macht. Ich will allerdings nicht als Meckerpott erscheinen. Es ist schön, dass wir jetzt so ein Gerät hier vor Ort haben und insofern es ja auch nicht darum geht, die Vorlagen für eine spätere professionelle Veröffentlichung zu digitalisieren, sondern in erster Linie das Schleppen der Bücher zum Copycenter erspart werden soll, erfüllt das Gerät seinen Zweck. Zudem sehe ich es auch nur als ersten Schritt einer nun einsetzenden massenhaften Verbreitung von Buchscannern in Bibliotheken. Es ist absehbar, dass in Kürze bei den größeren Bibliotheken die am stärksten nachgefragten Bücher dann auch gleich als digitale Vorlage vorhanden sein werden, so dass Studenten zukünftiger Generationen sich ihre Lektüre meist online ausleihen und monatelang nutzen können, ohne die entliehenen Bücher damit einem Kommilitonen vorzuenthalten, der sie dringend für seine eigene Arbeit benötigt.
Wer sich weiter informieren will, findet zusätzliche Angaben auf der Homepage des Herstellers oder im PDF-Prospekt des Zeutschel OS 12000. Mich würde echt mal interessieren, was das System kostet, aber ich habe bisher dazu keine Preisliste im Netz finden können. Vielleicht hat jemand einen Tipp?




Unsere Bibliothek hat auch die von Dir beschriebene Zeutschelkiste. Deine Begeisterung für das Gerät teile ich, deinen Pessimismus bezüglichder OCR-Qualität nicht: wenn ich “Seitenteilung” unt Textmodus (d.h. s/w) einstelle, bastelt er mir doch Einzelseiten in der angegebenen Seitengröße – also ggf. auh in A4/300dpi – bereitet die Seiten also gleich auf die OCR vor (kein grau etc.).
Dann ist natürlich für eine Nutzung auf Lesegeräten wie den plastic logic reader/sony reader PRS-700 oder lesenotebooks wie das GigaByte T1028X eine weiterverarbeitung mit unpaper nötig, aber die OCR-Qualität stimmt.
Hi Bob, aus Versuchen mit meinem Heimscanner weiß ich, dass die OCR-Erkennung von Scans in deutscher und englischer Sprache auch bei relativ niedriger Scanauflösung schon gute Ergebnisse bringt. In der Uni scanne und bearbeite ich jedoch hauptsächlich Texte in slawischen Sprachen, wo es bereits im Idealfall wegen diverser Sonderzeichen schwieriger für die Software ist, den Scan vernünftig in Zeichen zu übersetzen. Wenn ich nicht alles von Hand nachbearbeiten will, ist eine Auflösung von unter 400dpi hier bereits ungeeignet – jedenfalls nach bisherigem Stand der Technik und mit der von mir persönlich verwendeten Software (Readiris).
Hi optimist,
ich hb eigentlich das selbe problem, nur das es eben mittelhochdeutsch mit diversen ligaturen ud Diakritika ist. meine OCR-Lösung (abby) ermöglicht es aber ein text/sprachspezifisches Wörterbuch zu benutzen, was die OCR-Quali enorm hebt, auch bei 300 dpi. hat aber ne weile gedauert bis ich mir die jeweiligen “wörterbücher” zurechtgebastelt hatte. Wie eigentlich legst du deine Scans ab und verwaltest sie?
Eine ausgezeichnete OCR-Erkennung haben die book2net Scanner vom deutschen Hersteller Microbox.