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Besuch beim Google-Pressesprecher Stefan Keuchel

23. Mai 2008 Einen Kommentar schreiben Kommentare

Ungefähr 30 Aktive des Netzwerks Jungejournalisten.de treffen sich vom gestrigen Donnerstag bis noch zum Sonntag in Hamburg. Von etwa einem Jahr hatte es ein Bundestreffen in Berlin gegeben, von dem ich ebenfalls gebloggt habe. Bei diesen Zusammenkünften steht nicht nur gegenseitiges Kennenlernen und Vernetzen auf dem Plan. Die Organisatoren haben auch ein interessantes Besuchsprogramm zusammengestellt. Den Anfang machte gestern Abend Stefan Keuchel. Er ist Pressesprecher für den deutschen Bereich von Google und begrüßte uns in der Hamburger Firmenzentrale des Unternehmens in der ABC-Straße.


Google-Pressesprecher Stefan Keuchel führte uns am Ende des Besuches noch etwas herum. Die riesige Murmelbahn im Hintergrund ist bei weitem nicht das einzige spielerische Detail in den Hamburger Büroräumen des Suchmaschinen-Unternehmens. (Foto: J.Dethlefs)

Stefan Keuchel orientierte sich an einer Powerpoint-Präsentation mit dem Titel “Die Google-Story” und beantwortete anschließend noch unsere Fragen. Ich werde die Inhalte mit Erlaubnis des Referenten hier in einer lockeren Nachzählung wiedergeben. Auch für mich, der sich seit einer Weile mit der Thematik beschäftigt, gab es noch einige neue Informationen.

Zu Beginn erwähnte Keuchel die Anekdote, dass Google sich extra mit dem Duden-Verlag in Verbindung gesetzt habe, um den Eintrag für das Wort „Googeln“ ändern zu lassen. Es gab Befürchtungen, dass sich ansonsten der Begriff so fest im öffentlichen Gebrauch für die Nutzung einer Internet-Suchmaschine etablieren könnte, dass Google das Recht an der eigenen Marke verlieren könnte, so wie es einst Sony mit seinem Produkt „Walkman“ ergangen war.

Auf die Gründung des Unternehmens, das 1995 aus einem Forschungsprojekt an der amerikanischen Universität Stanford hervorgegangen ist, soll hier nicht näher eingegangen werden, denn dazu sind genügend Quellen im Netz einzusehen. Laut Keuchel gehöre Google nicht zu den zahlreichen Unternehmen, die sich erst nachträglich eine Gründungslegende geschaffen haben. Als Beweis zeigte er Bilder der berühmten ersten Garage, in der das Unternehmen aufgebaut worden sei. Diese soll übrigens vor ein paar Jahren aus sentimentalen Gründen von den Firmengründern für einen sechsstelligen Dollarbetrag gekauft worden sein. Anschließend waren Fotos des ersten Datencenters von Google zu sehen, also einer Gruppe mehrerer Computer, die seinerzeit an der Stanford Universität gestanden haben. Die dort verbauten bunte Lego- beziehungsweise Duplosteine hätten übrigens später als Grundlage bei der Entwicklung des Firmenlogos gedient. Mittlerweile besitzte Google weltweit Datencenter, deren Standorte allerdings aus wettbewerbs- und sicherheitstechnischen Gründen geheim bleiben.

Seit April 2007 sei die Startseite von „Google“ die meistbesuchte Webseite der Welt. Unter den Suchmaschinen habe Google einen Marktanteil von weltweit 61 Prozent, wobei der Konzern zum Beispiel in Spanien mit einem Anteil von 98 Prozent dominiere, sich dagegen unter anderem in Russland starker lokaler Konkurrenz erwehren müsse. Das Geschäftsmodell, aus dem der Lohn von weltweit 20.000 Mitarbeiter bestritten wird, beruhe auf drei Säulen. Den geringsten Teil machen die „Lizensierung von Suchtechnologie“ und „Suchdienstleistungen in Großbetrieben“ aus, wenn gerade letzteres auch in Zukunft noch mehr an Relevanz gewinnen solle. So wende der durchschnittliche moderne Büroarbeiter Studien zufolge bereits ein Viertel seiner Arbeitszeit für die Suche nach Informationen auf. Hier gebe es beim Einsatz geeigneter Archivierungs- und Suchsoftware enormes Einsparpotential.

Der Löwenanteil der Einnahmen resultiere zurzeit aus dem sogenannten „Keyword-Advertising“, also der Veröffentlichung von Textanzeigen bei Suchergebnissen. Diese seien „kontextsensitiv“ beziehungsweise „relevant“, weil sie thematisch zu den Suchanfragen passen und gehörten zu den effektivsten Werbeformen, da der Werbende nur die tatsächlich geklickten Anzeigen bezahle und darüber hinaus genauestens verfolgen könne, welche Handlungen die so gewonnenen Besucher auf seiner eigenen Seite vornehmen und welcher Umsatz durch sie entstehe. Die Klickraten seien bei relevanter Text-Werbung nach dem Adwords-Prinzip 4 bis 5 mal höher als bei vergleichbaren Werbeformen. Der Grundpreis bei Adwords liege bei 1 Cent pro Klick. Durch ein Auktionsmodell könne dieser Preis steigen, wenn mehrere Firmen bei dem gleichen Suchwort für ihre Produkte werben wollen. Im Endeffekt bestimme so der Markt den Preis. Ebenfalls angesprochen wurde die Möglichkeit für Privatpersonen, auf der eigenen Internetseite mit Google-Adsense Geld einzunehmen. Der Schlüssel, wieviel der Einnahmen dabei an den Seitenbetreiber und wieviel an Google gehen, sei zwar geheim, aber, so betonte Keuchel, das amerikanische Unternehmen nehme weniger als die Hälfte.

Die Veranstaltung war geprägt von mehreren Dutzend Links und Diensten, die teilweise nur wenige Minuten zur Sprache kamen und deswegen in einem Extrakasten am Rande dieses Beitrags zusammengefasst werden. Deutlich ausführlicher ging es um „Google Booksearch“, bei dem zum Einen die Bestände von mehreren größeren Universitätsbibliotheken eingescannt und zum anderen die Verlage direkt kontaktiert werden.

Keuchel sprach über Zukunftstrends wie Cloud Computing und die konsequente Erweiterung der Google-Produktpalette durch spielerische Projekte und Experimente der Mitarbeiter. Eigentlich glaube er, dass Google in seiner heutigen Form noch lange nicht ausgereift sei, weil die perfekte Suchmaschine nur eine Antwort gäbe. Trotzdem gäbe es auch in der aktuellen Fassung eine Vielzahl an Funktionen, die der Mehrzahl der Nutzer noch unbekannt seien. So lasse sich die Google-Oberfläche durch Eingabe einfacher Rechnungen als simpler Taschenrechner oder aktueller Währungsumrechner verwenden. Die Kinoprogramme der größeren Städte seien ebenso abzufragen, wie die Fahrtzeiten der Bahn (Beispiel: Hamburg Berlin 10:00) oder die günstigsten Vorwahlen. Mit diversen Kurzbefehlen lasse sich zudem gezielter suchen. Wer „Manual Nokia Filetype:pdf“ eingebe erhalte alle im Netz stehenden Nokia-Bedienungsanleitungen im PDF-Format. Bei „google Filetype:ppt“ kämen ausschließlich Powerpointpräsentationen mit dem Begriff „Google“ im Namen zum Vorschein. Alle diese Tools seien natürlich auch für Journalisten nützlich, wobei er diesen vor allem mehrere Neuerungen des Dienstes Google Trends zur näheren Begutachtung empfehle.

Im weiteren ging es um den sogenannten „Pagerank“. Dieser setze sich nach insgesamt 200 Kritierien zusammen, zu denen unter anderem die Aktualität der Seite sowie die Qualität der Linkgeber zählen würden. Keuchel habe sich schon daran gewöhnt, viele Anrufe zu erhalten, die eigentlich nichts mit seinem direkten Aufgabenbereich zu tun haben. Fast jeden Tag melde sich jemand bei ihm, der sich darüber beschwere, dass eine bestimmte Firma in den Suchergebnissen nicht prominent genug erscheine oder ein inhaltlich negativer Text nicht mehr zu finden sein soll.

Überraschend stark diskutiert werde jüngst das Vorgehen von Google, in manchen Ländern gewisse Suchergebnisse auszufiltern. Nach Auffassung des Suchmaschinen-Unternehmens sei es besser, wenn die chinesischen Nutzer wenigstens einen Großteil der Seiten aufrufen könnten, als gar keine. Nicht zuletzt werde bei der Diskussion übersehen, dass es auch in Deutschland gewisse Filter gebe, weil z.B. die Internetseite des Neonazis “Gary Lauck” hierzulande verboten sei. Wer danach suche, werde im unteren Bildschirmbereich darauf hingewiesen, dass aus rechtlichen Gründen gewisse Ergebnisse nicht angezeigt werden könnten. Auf Nachfrage betonte Keuchel nochmal die internationale Sonderstellung Deutschlands im Bezug auf die Sensibilität für das Thema Datenschutz.

Keuchel plädierte er für einen fairen Umgang zwischen Presse und PR. Richtig ärgerlich sei in diesem Zusammenhang aus seiner Sicht das Beispiel einer NDR-Dokumentation, bei der angeblich vom Unternehmen keine Auskunft zu erhalten gewesen sei. Dabei sei aber ihm zu Folge die für das Stück zuständige Redakteurin im Rahmen der Recherche persönlich drei Stunden im Google-Gebäude in der ABC-Straße zu Gast gewesen und habe sich ausführlich informiert, was sich durch ihre Registrierung in der Besucherdatenbank am Empfang auch nachweisen lasse.

Ungeachtet solcher Vorkommnisse stehe er grundsätzlich jederzeit bei Fragen zum Unternehmen und seinen Produkten gerne zur Verfügung. Dies gelte auch bei kritischen Themen. Die einzige Einschränkung sei, dass man nicht über “über ungelegte Eier rede”, sondern Produkte erst dann vorstelle, wenn es auch etwas zu zeigen gäbe.

Vorgestellte Google-Projekte
- Google News
- Google Alert
- Google.de/blogsearch
- Zitatsuche (nur US)
- Google Kalender
- Google Health (nur US)
- Blogger
- Google Analytics
- iGoogle (am stärksten wachsender Dienst)
- Google Trends
- Mobile.google.de
- Picasa
- Google Talk
- Google Labs
- Google Scholar
- Google Maps   (inkl. Routenplaner)
- Google Streetview
- Google Earth
- Google Earth Outreach
- Google Sky
- Youtube (Zusammenarbeit CNN, Projekt „The Davos Question“)

Hier geht es zur Übersicht des zweiten Tages.


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