Da habe ich doch ein bisschen gestaunt, als ich am Wochenende im Getränkeregal auf Köstritzer-Verpackungen eine Gutscheinaktion für den Stern entdeckte. Die Internetsuchmaschine meines Vertrauens hat einen Treffer zu dem Thema, der alles wesentliche erklärt: Die Vertriebsinformationen des Deutschen Pressevertriebs. Dort erfahren wir, dass vom 1. Januar bis zum 1. Juni 2008 jeder Sixpack-Umkarton und Bottlemaster von Köstritzer Schwarzbier einen Gutschein für eine Stern-Ausgabe enthält.
Letztendlich verspricht sich Köstritzer wohl davon bessere Verkaufsergebnisse, weil die Kunden für das Geld gleich noch Mehrwert in Form eines Gratis-Magazins erhalten. Der Stern erhält augenscheinlich zusätzliche Werbefläche und kann vielleicht ein paar tausend Exemplare mehr unter das Volk bringen, was ihm in der Argumentation gegenüber seinen Anzeigenkunden immer gelegen kommen dürfte. Ich frage ich mich, ob die Schwarzbiertrinker dem Magazin zu einem wesentlichen Aufschwung verhelfen können. Zudem lässt sich diskutieren, ob Alkoholverpackungen die richtige Werbeplattform für ein journalistisches Produkt sind. Natürlich wird in Magazinen auch für Alkohol geworben, doch umgekehrt so wie hier ist es in meinen Augen nochmal etwas anderes. Die Stern-Auflagenzahlen der letzten zehn Jahre lassen sich übrigens kostenlos bei der IVW abrufen.
Einer der jüngeren Wahl-Werbespots von Hillary Clinton heißt “3 A.M. call”, frei übersetzt “Der Anruf um drei Uhr morgens” (Hier ein Link zum Original-Spot auf Youtube). Darin werden schlafende Kinder gezeigt. Ein Sprecher erzählt uns im Hintergrund mit düsterer Stimme von Gefahren und Hillary Clinton nimmt am Ende “um drei Uhr morgens” souverän jenen Anruf entgegen, der mit einer fiktiven Krise in Verbindung stehen soll.
Doch es ist nicht nur schlechter Stil, unter Wählern Angst zu erzeugen um im gleichen Atemzug sich selbst als Kandidat zu empfehlen. Nun hat sich auch noch die Protagonistin zu Wort gemeldet und der Aussage des eigenen Werbespots widersprochen. Die Aufnahmen der schlafenden Casey Knowles sind vor mehr als acht Jahren für die Reklame einer Eisenbahnfirma entstanden. Das Clinton-Wahlkampf-Team hatte das Material legal von einer Agentur erworben, die heute die Rechte daran besitzt. Heute ist die 17-jährige Casey in der Tat politisch sehr interessiert, nur leider nicht für Hillary Clinton sondern ihren härtesten Konkurrenten Barack Obama. In mehreren Interviews mit US-Fernsehsendern hat sich die Oberschülerin offen für Obama ausgesprochen und sogar mit seinem Wahlkampfteam ein eigenes Video bei Youtube veröffentlicht. Die Geschichte von Casey Knowles zeigt uns nicht nur, wie manches Wahlkampfmanöver sich durch Zufälle gegen den Urheber richten kann, sondern auch wie weit Marketing von der Realität entfernt sein kann, egal ob es um Werbung für Konsumgüter oder politische Ideen geht.
Eine Spitzenidee hatte da ein Berliner Kreativer. Er fotografierte genau einhundert Nahrungsmittelprodukte vom Fertiggericht zum Schokoriegel und die dazugehörige Präsentation auf der Packung. Herausgekommen ist ein Kunstprojekt, das bewusst nicht bewerten möchte, aber mit Sicherheit zum Nachdenken inspiriert. Zum Beispiel kann man sich beim Betrachten der Bilder herrlich Gedanken über jene die durch die Werbung aufgebaute Scheinwelt machen, in der alle Menschen glücklich, gesund und sogar pickellos sind, in der immer die Sonne scheint und in der Essen nicht nur gut schmeckt, sondern auch perfekt aussieht. Aber nebenbei bemerkt war ich überrascht, wie nah Packung und Inhalt oft beieinander waren – natürlich mit Ausnahme der Fertigmenüs für die Mikrowelle.
Hier eine Videopräsentation des Projektes von Youtube:
Ich hab die Geschichte übrigens von Robert, der sie beim Shopblogger fand.