Jetzt hat der Jo sich aber einen Fehler in der Überschrift erlaubt, wird mancher denken. Denn die demnächst vom 14. bis 18. Oktober in Frankfurt abgehaltene Buchmesse ist doch die Auflage des Jahres 2009 und nicht 2008. Aber tatsächlich handelt es sich bei diesem Beitrag um eine bildliche Nachbetrachtung meines leider viel zu kurzen Messebesuchs im vergangenen Jahr.

Bei diesem Anzug handelt es sich um einen “Senioren-Simulator”. Da stecken mehrere Kilo zusätzliche Gewichte drin. Außerdem werden die Bewegungsfreiheit am Nacken eingeschränkt, die Hörfähigkeit durch die Ohrenschützer gemindert die Sehkraft des Probanden mit einer preparierten Brille künstlich verringert. Dazu kommen Spezialhandschuhe, mit denen sich nicht so gut greifen oder arbeiten lässt, wie mit den normalen Händen. Sinn und Zweck? Ein junger Mensch soll mit diesen Einschränkungen genauso agieren können, wie ein 80-jähriger und sich so besser in dessen Situation hineinversetzen können. Die deutsche Gesellschaft wird immer älter. Die Muskeln werden schwächer, Augen und Ohren lassen nach, die Finger wollen auch nicht mehr so wie früher. Mit solchen Senioren-Simulatoren können auch junge Produktentwickler ihre Ideen auf Alterstauglichkeit testen. Lassen sich die Tasten noch gut bedienen? Ist das Display eventuell zu klein? Eine spannende Erfindung, die ich zum ersten Mal an diesem Tag auf der Buchmesse gesehen habe. Mehr…
Die britische Zeitung Guardian hat Zugriff auf über 460.000 Kopien von Abrechnungen und Quittungen der englischen Parlamentsangehörigen erhalten. Da sich diese Masse an Material niemals zu vertretbaren Kosten in vertretbarer Zeit analysieren lassen würde, wurde ein Portal im Netz geschaffen, auf dem jeder Interessierte ohne Anmeldung die Dokumente bewerten und auf inhaltliche Knaller untersuchen kann. Das Beispiel ist schon einen Tick älter, aber da ich eine Weile mit dem Blog pausiert hatte und zudem in den letzten Tagen gleich Mal mit drei Leuten sprach, die noch nichts von der Aktion gehört hatten, möchte ich es hier nochmal lobend erwähnen.

Crowdsourced Journalism beim Guardian
Es handelt sich dabei um einen der bisher größten Fälle von “Crowdsourcing“, ein Begriff der sich aus “Crowd” (“Menge”) und “Outsourcing” zusammensetzt und in deutscher Sprache von Wikipedia charmant “Schwarmauslagerung” genannt wird. Bis zum aktuellen Moment haben von 458,832 Dokumentseiten insgesamt 23,754 Freiwillige bereits 208,156 gesichtet, so dass beim Guardian gerade “Bergfest” gefeiert wird. Ich hoffe, deutsche Medien nehmen sich demnächst mal ein Beispiel und übertragen das Prinzip der aktiven Konsumenten-Einbindung auch auf das hiesige System.
Barack Obama (Wikipedia) ist bereits jetzt ein Mann für die Geschichtsbücher, egal, wie seine Amtszeit sich entwickeln wird und wie viele seiner Ziele er am Ende erreichen kann. Er hat – natürlich mit Hilfe seiner Anhänger und Wähler – diese Welt einen Schritt toleranter und besser gemacht, als erster “Schwarzer” im US-Präsidentenamt, als intensiver Nutzer neuer Kommunikationsformen für politische Entscheidungsprozesse sowie nicht zuletzt als Idolfigur eines liebevollen Vaters und modernen Ehemannes, für den die Gattin nicht Zierde sondern gleichberechtigter Partner ist.
“Genau!” sagen nun die gleichgesinnten Obama-Fans. “Wieder ein naiver, der auf die Propaganda reinfällt”, heißt es dagegen von den konservativen Obama-Kritikern. Doch was macht mich eigentlich so sicher in der Annahme, dass das Präsidentenpaar die Harmonie nicht bloß vortäuscht? Was wenn Barack in Wirklichkeit ein Arsch ist, der im Scheinwerferlicht lächelt und sich ansonsten von vorne bis hinten bedienen lässt? In diesem Fall möchte ich auf ein Foto im offiziellen Flickraccount des White House hinweisen.
Jeder kennt die mittlerweile Kult gewordene u.a. über Youtube verbreitete Szene, bei der der US-Präsident während eines TV-Interviews eine Fliege erschlägt (Link zum Youtube-Clip). Bei weitem nicht so bekannt ist das anscheinend danach entstandene Bild, bei dem er mit einem Taschentuch das tote Insekt aufhebt (Link zum unten verwendeten Bild bei Flickr).

Ich liebe symbolträchtige Bilder. Und aus diesem lässt sich unter anderem lesen, dass der Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika bei aller Verantwortung und allen Dingen, die sich in seinem Kopf bewegen, trotzdem instinktiv das Bedürfnis hat, sich in seinem mehrere tausend Dollar teuren Anzug für eine tote Fliege zu bücken. Ob er es aus Respekt vor dem Tier getan hat oder aus Respekt vor dem Personal im Weißen Haus oder automatisch, weil seine resolute Gattin ihm es so angewöhnt hat, ist für mich dabei zweitrangig.
Ich mag das Bild. Und ich mag Obama.