Die regionale Tageszeitung 20cent (Homepage/Wikipedia-Eintrag) zeigt auf der hier abgebildeten Seite aus der Ausgabe vom Mittwoch, 4. Februar 2009, was man unter kreativem Layout verstehen und wie man eine Seite ansprechend ohne den Einsatz von Bildmaterial gestalten kann. Aber auch strukturell ist das Ganze sehr gut gelöst. Die Seite beschäftigt sich mit Medizintourismus, also der sonst eher trockenen und schwer zu verkaufenden Thematik der unterschiedlichen Gesetzeslagen in Deutschland und Polen. Im oberen Textkörper wird das Schicksal eines deutschen Pärchens beschrieben, das für eine künstliche Befruchtung nach Polen fährt, weil in Deutschland der Vorgang rechtlich beschränkt und um einiges teurer ist. Im unteren Textteil fährt ein polnisches Pärchen für eine Abtreibung nach Deutschland, weil es in Polen “keinen Arzt für den Eingriff gefunden hat”. Interessantes Thema, handwerklich sehr gut umgesetzt. Daumen hoch.
Eventuell ist es ist nur eine Frage der Zeit, bis die Redaktionen einzelne Beiträge kurz vor dem Druck noch mal von engagierten Twitterlesern kostenlos Korrektur lesen lassen.
Nun, ja. Es hat wirklich nicht lange gedauert. Um genau zu sein, nur wenige Stunden…
Eben habe ich den Twitter-Account von Spiegel-Online-Chefredakteur Wolfgang Büchner entdeckt und dort gab es folgenden Aufruf zu lesen:
Ich würde sagen, wir bekommen hier gerade eine für den deutschen Medienbereich revolutionäre Entwicklung mit. Oder erinnert sich jemand an andere Situationen, in denen Privatpersonen dem Chefredakteur eines der größten und wichtigsten Medien des Landes mal eben auf einen inhaltlichen Fehler in einem Artikel aufmerksam machen konnten? Wenn das Beispiel Schule machen wird – und ich gehe davon aus und befürworte zudem ausdrücklich, dass es so sein wird – dann wird auch die Konkurrenz nachziehen. Ich würde sagen, die Redakteure in Deutschland dürfen sich darauf einstellen, dass zukünftig mehrmals am Tag schnell mal Fehler in Online-Beiträgen korrigiert werden müssen. Optimistisch gesehen, könnte die Weisheit der Massen die Qualität der Massenmedien erhöhen.
Auf jeden Fall halte ich es schon mal für lobenswert, dass Wolfgang Büchner sich auf eine moderne Kommunikationsform wie Twitter einlässt, um der vielbesagten Isolation des Elfenbeinturms zu begegnen, der Chefredaktionen bislang im Regelfall unterlagen.
Bei Youtube ist ein Clip aufgetaucht, in dem N-TV-Moderator Raimund Brichta und Finanz-Experte Friedhelm Busch über eine Enteignung der Hypo Real Estate durch den Staat diskutieren. Da Wirtschaftsjournalismus nicht mein Spezialgebiet ist, spare ich mir hier inhaltliche Kommentare zum Thema. Auf jeden Fall ist es interessant, mal hinter die Kulissen bei N-TV zu sehen und einen Einblick zu erhalten, wie Moderatoren und Gesprächspartner miteinander umgehen.
Hier das Video:
Auf seinem eigenen Blog bei N-TV erklärt Raimund Brichta die Hintergründe dazu: So habe es sich nicht – wie an vielen Orten angegeben – um ein VORgespräch, sondern um ein NACHgespräch NACH einem Interview gehandelt. Auf Grund technischer Probleme hätte man das Interview aber erneut aufzeichnen müssen, was auch am Ende des besagtem Clips zu sehen sei. Im übrigen sei der Mitschnitt des Zwischengeplänkels zwar ohne Wissen der Protagonisten aufgenommen worden, allerdings dann mit ihrer Zustimmung drei Mal als Auflockerung im offiziellen Programm von N-TV gelaufen.
Finde ich sympathisch. Letztendlich arbeiten überall nur Menschen. Und es ist eine wertvolle Eigenschaft, über sich selbst lachen zu können.