Money as debt – Eine andere Perspektive zur Bankenkrise
Eine filmische Impression der etwas anderen Art und damit gleichzeitig eine etwas andere Perspektive auf die aktuelle Bankenkrise gibt es unter “Money as debt” (“Geld als Schuld”). Hier ein Link zur englischsprachigen Originalseite des Projektes, hier ein Link zur englischen Fassung der Dokumentation bei Google-Video und hier ein Link zur englischen Fassung mit deutschen Untertiteln ebenfalls bei Google-Video. Hier ein Link zu einer Vorstellung des Macher Paul Grignon und der Hintergrundgeschichte des Films.
Grignon erläutert in 47 Minuten, dass ein wesentlicher Teil der heute an Schulen gelernten Bankentheorie nicht ganz der Wirklichkeit entspreche. Denn während wir lernen, dass für jeden Geldschein und jede Münze in den Geldinstituten ein rationaler Gegenwert in Gold oder anderen Edelmetallen vorhanden sein müsse, soll das gesetzlich vorgeschriebene Verhältnis von Sicherheit zu Geldmenge irgendwann auf 1:9 und mittlerweile in der Praxis schon auf 1:30 oder 1:40 angewachsen sein. Dabei würden die Banken auf so undurchsichtige Weise in einem Netzwerk zusammenarbeiten und sich gegenseitig mit Krediten absichern, dass sie bei einer Krise wie Domino-Steine eine nach der anderen umfallen. Der Film ist nebenbei bemerkt schon 2006, also lange vor der aktuellen Bankenkrise entstanden.
Laut “Money as debt” stehe das heute zirkulierende Geld nicht für positive, tatsächliche Werte wie z.B. Grundbesitz oder Immobilien, sondern für Schulden von Privatpersonen und Institutionen. Der Knackpunkt: Würden nun theoretisch alle Schulden beglichen werden, würde es kein Geld mehr geben und die Welt würde in Armut versinken. Deswegen müssten Personen, Firmen und vor allem Länder skurriler Weise immer mehr Schulden machen, um die Bevölkerung liquide zu halten.
Ein relevanter Aspekt der bei dem Film gar nicht zum tragen kommt ist noch der Unterschied zwischen Erster, Zweiter und Dritter Welt. Das ganze ist absichtlich etwas einfach gehalten, aber auch so schon alarmierend genug. Und die wenn die Endthese stimmen sollte, wäre es sogar unausweichlich, dass unser aktuelles Währungssystem auf absehbare Zeit kollabiert. Denn Grignon zufolge sei es logisch vorhersehbar, dass wir zwar die Schulden, nicht aber die zusätzlich zu den Schulden entstehenden Zinsschulden begleichen können. Er illustriert diesen immer größer werdenden Schuldenberg als grünes, den Erdball verfolgendes Comic-Monster.
Fazit: Mir persönlich gefällt nicht, dass mit Effekten wie bewusst düsterer Musik eine zusätzliche Dramatik erzeugt wird. Wenn nur die Hälfte der Fakten stimmt, hat der Film solche Elemente gar nicht nötig. Sie schrecken im Gegenteil eher skeptische Zuschauer ab, genauso wie die Ständige Einblendung der Pyramide auf dem amerikanischen Dollarschein, die “Money as debt” unnötig nahe an die “Freimaurer-Verschwörungs-Komplex”-Schublade heranrücken lassen, obwohl im Film selbst nicht die Rede ist. Auch ein paar der Comic-Elemente wie das oben erwähnte Monster tragen nicht unbedingt zum seriösen Image des Films bei.
Das inhaltliche kann ich nur eingeschränkt bewerten, da ich keine tieferen wirtschaftstheoretischen Kenntnisse besitze. Angesichts der düsteren Perspektiven würde ich mir sogar wünschen, dass irgendwelche größeren inhaltlichen Fehler übersehen worden sind und sich unsere Situation in Wirklichkeit doch noch viel besser darstellt. Nichtsdestotrotz halte ich “Money as debt” bei aller gebotenen Vorsicht im Umgang mit Informationen aus dem Netz für einen interessanten Impuls zur Beschäftigung mit der Thematik. Und einige enthaltenen Fragen sollten auch wir uns stellen, allen voran die Frage, ob unser jetziges Wirtschaftssystem wirklich zukunftsträchtig und stabil genug ist, um auf unbestimmte Zeit weiter unser Zusammenleben zu regeln und welche strukturellen und politischen Möglichkeiten wir haben, es zu unterstützen oder zu verbessern.



