[Trigami-Review]
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Wolfgang Michels 2008 – Quelle:wolfgang-michels.de
Was ist eigentlich gute Musik? Zu dieser Frage inspirierte mich eine mir zur Rezension vorliegende CD des Künstlers Wolfgang Michels. Musik ist Kunst, ein kreatives Werk und stark abhängig vom Geschmack des jeweiligen Konsumenten. Natürlich lässt sich die handwerkliche Ausführung eines Stückes bewerten. Hat sich der Gitarrist verspielt, war der Stimme des Sängers zu laut oder zu leise, sind die Instrumente gut gewählt? Doch bereits wenn wir uns dem Text nähern, verlassen wir die sicheren Bewertungspfade und begeben uns auf das Feld des persönlichen Geschmacks.
Nach diesen Vorbemerkungen also nun ran an den Speck, bzw. eine limitierte Presse-CD von Wolfgang Michels. Sie wirbt für das neue Album “Zuhause”, das seit 11. April bundesweit im Handel erhältlich ist. Und ich bin mal ehrlich: Ich habe von dem guten Herrn zuvor noch nie was gehört. Als ich dann die Biografie des Künstlers las, wusste ich auch warum: Ich bin Jahrgang 1980 und so erfolgreich und innovativ Michels in den Siebziger- und Achtziger Jahren gewesen sein mag, so still wurde es dann um ihn, als sich Mitte der Neunziger mein Interesse für Musik zu entwickeln begann. Wenn seine Diskografie auch noch im neuen Jahrtausend die eine oder andere Veröffentlichung aufweist, war es um Michels in Zeiten des Musikfernsehens doch ziemlich ruhig geworden.
Wird das neue Album daran etwas ändern können? Nun, um es gleich von Anfang an zu sagen: Musikgeschichte schreibt Michels meiner persönlichen Meinung nach mit den mir vorliegenden Liedern nicht. Es sind eingängige ruhige Popnummern, die weder musikalisch noch textlich irgendwelche Überraschungen bieten. Der Song “Sehnsucht”, der gleichzeitig als Single ausgekoppelt wird, ist musikalisch etwas eintönig, lässt sich aber gut beim Arbeiten im Hintergrund hören und eignet sich damit durchaus für die heutige Radiolandschaft. Das zweite Stück auf der Presse-CD “Jemand wie Du” irritiert zu Anfang mit einem Rumba-Rhythmus, der sich ein bisschen zu sehr nach Keyboard-Soundmaschine anhört. Handwerklich ist das ganze sicherlich seriös gelöst, aber mir persönlich fehlen die Ideen, jene wirklich außergewöhnlichen Stellen, an denen man besonders genau hinhört und wegen denen man sich ein Lied erst mehrere Male in Folge anhört.
Auch was die Songtexte angeht, passt ganz gut das Adjektiv “solide”. In Zeiten von Hip-Hop und Fernsehcomedy a la “Switch” erscheinen Reime wie “hält – Welt”, “her – mehr”, “lebst – schwebst” oder “vergeben – fürs Leben”, “Sehnsucht – weh tut” schon etwas zu hausbacken. Dass es auch besser geht, beweist Michels mit der Zeile “Babylon am Telefon, schwarzes Herz aus Silikon” aus dem Song “Die Wüste”. Dieser und die beiden anderen Songs lassen sich auch auf der MySpace-Seite von Michels probehören. Und insoweit sich dies nach 30 Sekunden hören lässt, finde ich es schade, dass nicht der Song “Die Wüste” den Weg auf die Presse-CD geschafft hat, der für mich um einiges lebendiger und auch textlicher innovativer ist.
Sehr positiv hervorzuheben ist zu guter Letzt die Außenpräsentation von Michels, die sich mit Youtube-Videos und MySpace-Seite absolut auf dem Stand der Zeit befindet.
Fazit: Michels macht solide deutschsprachige Pop-Musik. Dank der etwas altbackenen Texte wird er es wohl unter den jüngeren Hörern schwerer haben, die längst etwas anderes, aufregenderes und schnelleres gewohnt sind. Aber Michels hat im Gegensatz zu den vielen Castingshow-Akteuren im heutigen Musikmarkt Charakter und eine (ziemlich lange) Geschichte. Die bisher gehörten Lieder hauen mich persönlich nicht vom Hocker, sind aber ehrlich und lassen sich gut im Hintergrund beim Arbeiten hören. Wenn er es schafft, eines seiner Lieder in die Radio-Rotation zu bekommen, können wir durchaus zukünftig mehr und öfter von ihm hören.
Hier ein paar Links für die interessierten Leser:
> Die offizielle Internetseite
> Die offizielle MySpace-Seite
> Die deutsche Wikipedia-Seite
> Die Fan-Club-Seite

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