Der Trend zur Identitäts-Versicherung
Identitäts-Versicherung? Was ist denn das? Stern-Bloggerin Cornelia Fuchs schreibt in ihrem jüngsten Beitrag unter dem Titel “Datenhorror” über die Folgen, der in England verlustig gegangenen DVDs mit persönlichen Daten von etwa 25 Millionen Bürgern und erklärt, warum dieser Vorgang die Briten so hart trifft:
“Denn in Großbritannien reicht es häufig, Name mit Adresse und Geburtsdatum zu kombinieren, zum Beispiel durch leicht zu fälschende Gasrechnungen. Dazu braucht es dann eine gefälschte Ausweiskarte mit Bild, zum Beispiel der Führerschein oder auch nur ein Presseausweis, und schwupps hat man eine neue Identität angenommen. Damit bekommt man Kreditkarten und Zugang zu Bank-Konten. Und der wahre Mensch hinter dem Namen hat für mindestens sechs Jahre seine Kreditwürdigkeit verloren – sogar, wenn er eindeutig nachweisen kann, dass nicht er selber, sondern ein Betrüger Kredite beantragt hat. Und das heißt: Keine Mobilfunkverträge mehr mit Kontoabbuchung, kein Dispo und natürlich keine Hypotheken-Verträge mehr – eine Katastrophe für das Immobilienland Großbritannien.”
Im folgenden Absatz spricht sie noch ein Thema an, von dem ich bislang nichts gehört hatte:
“Die Banken bieten – natürlich gegen Geld – Identitäts-Versicherungen an.”
Nun scheint es ja in der heutigen Zeit Sinn zu machen, so etwas anzubieten und auch in Anspruch zu nehmen. Aber ist es nicht gleichzeitig eine traurige Entwicklung, wenn wir uns nun nicht mal mehr unserer eigenen Identität sicher sein können? Gut möglich, dass in naher Zukunft solche Themen wie das Recht auf die eigenen Identität zum festen Bestandteil von Wahlprogrammen werden. Ich persönlich würde mir die Umsetzung eines Systems wie OpenID von Herzen wünschen, denn je mehr sich unser Leben ins weltweite Datennetz verlagert, desto wichtiger ist es, dass wir uns dort sicher sein können, dass sich niemand für uns ausgibt.
Vielleicht mögen idealistische Gründe für viele nicht ausreichen, um sich für den zurzeit extrem bedrohten Schutz ihrer Bürgerrechte überhaupt nur zu interessieren. Aber spätestens wenn dieses Thema wie nun in Großbritannien konkrete finanzielle Auswirkungen mit sich bringt, sollte das Interesse wachsen.



