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Archiv für Juni, 2007

“Gegen die Wand” kostenlos beim NDR erhältlich

5. Juni 2007 Keine Kommentare

“Gegen die Wand” (2004, IMDB|Wikipedia) gehört aus mehrerlei Gründen zu meinen Lieblingsfilmen. Er stellt nicht nur eine solide handwerkliche Leistung dar, sondern spielt auch in Hamburg bzw. sogar Hamburg-Altona, so dass ein Hansestädter auf Anhieb mehrere Schauplätze erkennt. Außerdem greift Filmemacher Fatih Akin mit der Hinundhergerissenheit der in Deutschland lebenden Türken zwischen traditionellen und westlichen Werten ein wichtiges und leider oftmals unbeachtetes Thema auf.

Wer “Gegen die Wand” noch nicht gesehen hat, oder ihn wieder sehen möchte, hat nun auf der Internetseite des NDR Gelegenheit dazu. Anlässlich der Verleihung von zwei Auszeichnungen in Cannes für seinen neuen Film “Auf der anderen Seite” ist Fatih Akins Erstlingswerk auf der NDR-Internetseite kostenlos und anscheinend ohne zeitliche Begrenzung online gestellt worden.

Mobiles Bloggen aus Prag (2)

1. Juni 2007 2 Kommentare

Hier nun die Fortsetzung der Berichterstattung vom Seminar “Medien und Transformation” in Prag. Zum ersten Teil geht es hier.

Die Ereignisse vom Mittwoch, 30. Mai

Zu den Förderern der Veranstaltung zählen die Konrad-Adenauer-Stifung Prag, das Deutsch-Tschechische Zukunftsforum und die Uni Hamburg, von der auch ein Großteil der deutschen Teilnehmer stammte. Zu ihnen gesellten sich Kommilitonen aus Magdeburg und Hannover sowie von tschechischer Seite aus Olomouc und Brünn. Erfreulicher Weise stellte uns das Verlagshaus Mafra einen Konferenzraum in einem frisch renovierten Trakt seines Hauptgebäudes zur Verfügung.

Dort begann nun der wissenschaftliche Teil mit einer Einführung durch Jürgen Webermann. Er gab den Teilnehmern eine Bestandsaufnahme der aktuellen Transformationsforschung. So lasse sich der Ablauf einer Transformation grundsätzlich in drei Phasen einteilen. Der erste Schritt sei das Ende des alten Regimes. Beim konkreten Beispiel der sozialistischen Staaten Tschechoslowakei und DDR nannte Webermann als Gründe für das Ende beispielsweise eine wachsende Legitimitätskrise der politischen Führung in Verbindung mit den zahlreichen Konsequenzen einer ineffizienten Produktion. Bei dem zweiten Schritt handele es sich um die Phase der Institutionalisierung, während der es gelte das entstehende politische und ökonomische Vakuum auszufüllen. Als Stichwort in den Wirtschaftswissenschaften sei der Begriff “Window of opportunity” genannt. Zuletzt folge in der dritten Phase die Konsolidierung, die der Sicherung der erreichten Ergebnisse gewidmet sei.

Jürgen Webermann betonte, dass die Frage nach der Rolle der Medien bei der Transformationsforschung noch weitestgehend unbeantwortet sei. Die ersten und bisher auch einzigen ernstzunehmenden Arbeiten in diese Richtung stammen von Barbara Thomaß.

Außerdem wies er darauf hin, das in einem Transformationsland in der Regel nicht nur ein Mangel an für die entsprechend der neuen Kriterien ausgebildeten Journalisten herrsche sondern auch an einem Publikum, das in der Lage ist, diese Veränderungen zu realisieren und zu rezipieren.

Referat “Die Situation der Medien vor dem politischen Umsturz in der Tschechoslowakei.”

Als erste Referentin erläuterte Michaela Pavlovski, Studentin der Journalistik und Internationalen Beziehungen von der Uni Brünn, die “Situation der Medien vor dem politischen Umsturz in der Tschechoslowakei.”

So seien 1948 unmittelbar nach der Machtübernahme durch die Kommunisten in der Tschechoslowakei mehr als 570 Medien gezwungen gewesen, ihr Erscheinen einzustellen. Zensur sei vor allem inhaltlich undökonomisch erfolgt, jedoch auch über die Kontrolle von Distribution und Berufszugang. Der Höhepunkt der Einflussname sei zu Zeiten Stalins in den 50er Jahren erreicht worden und habe sich 1953 in der Gründung einer speziell hier für zuständigen Behörde niedergeschlagen, während das folgende Jahrzehnt wieder etwas Entspannung gebracht habe.

Zu den weiteren Inhalten von Michaelas Vortrag gehörten die Situation der Druckereien, Verlage und Papierfabriken, die sich allesamt in staatlicher Hand befunden haben sowie die parteiliche Einflussnahme auf den Arbeitsalltag der Journalisten. Deren Tätigkeit sei nämlich durch eine Mitgliedschaft im betreffenden Berufsverband bedingt gewesen. Der restriktive Umgang mit Medien habe letztendlich sogar zur Folge gehabt, dass eine parallele Informationsstruktur etabliert worden ist. Die geschönten, sogenannten weißen Berichte, die für die Allgemeinheit zugänglich waren und die für ausgewählte Parteikader bestimmten blauen Berichte, die ein realistischeres Bild der Zustände zeichneten.

Referat “Die Situation der Medien vor dem politischen Umsturz in der DDR.”

Jule G., Svenja Reinke und Aleksandra Hilarski widmeten sich in ihrem Referat dem ideologischen Hintergrund der Berichterstattung in der ehemaligen DDR. So habe die damalige politische Führung getreu Lenin die Medien als “die schärfste Waffe der Partei” angesehen.

Die Referentinnen zitieren unter anderem aus der Verfassung der DRR (Abschnitt II, Kapitel 1, Artikel 27) und kritisieren, dass der Staat in ihren Augen seinen, in der Verfassung fixierten, gesetzlichen Pflichten nicht nachgekommen ist.

(1) Jeder Bürger der Deutschen Demokratischen Republik hat das Recht, den Grundsätzen dieser Verfassung gemäß seine Meinung frei und öffentlich zu äußern. Dieses Recht wird durch kein Dienst- oder Arbeitsverhältnis beschränkt. Niemand darf benachteiligt werden, wenn er von diesem Recht Gebrauch macht.

(2) Die Freiheit der Presse, des Rundfunks und des Fernsehens ist gewährleistet.

Die Funktion der zentralen Informationsquelle sei dem Allgemeinen Deutschen Nachrichtendienst zugefallen, der 1946 als GmbH etabliert worden ist. Bei diesem habe sich allerdings durch die weitgehend vermutete hohe Präsenz von Inoffiziellen Mitarbeitern der Staatssicherheit das Phänomen der “Zensur ohne Zensor” gezeigt. Zudem haben etwa 8,6 der insgesamt 9 Millionen ausmachenden Gesamtauflage der Print-Presse Parteizeitungen ausgemacht.

Der Rundfunk in der DDR habe dem Staatlichen Komitee für Rundfunk (StKfR) unterstanden. Als Beispiel für ein Medium, das mit sämtlichen Programmelementen die Partei unterstätzte, fand der Radiosender DDR 1 Erwähnung. Nicht anders sei die Situation beim Fernsehen gewesen, für das ebenfalls eine staatliche Kommission zuständig gewesen ist, um eine den Richtlinien der Partei gemäße Beeinflussung des Bewusstseins der Bürger sicherzustellen. Für den Besitz und Betrieb eines Fernsehgerätes sei eine amtliche Genehmigung notwendig gewesen. Zwischen 1960 und 70 sei dann ein Anstieg von 17 auf 60 Prozent Anstieg bei den Haushalten zu verzeichnen gewesen, die ein Fernsehgerät besaßen. Damit wuchs auch die Möglichkeit für die Ost-Bürger, westliches Fernsehprogramm zu empfangen. Die Versuche der Behörden, die Funkwellen des Westprogramms zu stören, zeugen von der Gefahr, die darin gesehen worden ist.

In der Diskussion im Anschluss des Referates wird das Beispiel eines in der DDR beheimateten Radios genannt, das sich speziell an Bundeswehrsoldaten richtete und sogar gezielt in westliche Kasernen hineingesendet haben soll, um beispielsweise Alarmübungen im Voraus zu verraten. Als Beispiel für eine Lockerung der staatlichen Restriktionen wird der legendäre Jugendsender DT64 angesprochen.

Ein Seminarteilnehmer zitierte aus der Biografie von Klaus Feldmann, einem ehemaligen Sprecher bei der Nachrichtensendung “Aktuelle Kamera”. Auch die Versuche erfahren Erwähnung, mit dem von Eduard von Schnitzler moderierten “Schwarzen Kanal” Einfluss auf die Einstellung der DDR-Bürger gegenüber dem kapitalistischen Nachbarn zu nehmen.

Nicht zu unterschätzen sei der pädagogische Aspekt des Kinderfernsehens, in dem der Sandmann beizeiten mit einem Trabant angefahren sei, um im Bewusstsein der Kinder die Sympathie für dieses Produkt zu festigen oder sogar einen Panzer als Transportmittel nutzte, um die Akzeptanz des Militärs zu erhöhen. Auch bei den Druckerzeugnissen waren einige interessante Aspekte zu nennen. So hätten mehrere Publikationen gezielte praktische Lebenstipps gegeben, wie das Nichtvorhandensein eines Produktes durch innovative Verwendung anderer Produkte kompensiert werden könne.

Das Gespräch schloss mit der nicht ohne weiteres zu beantwortenden Frage, inwiefern sich die Journalisten der politischen Dimension ihrer Tätigkeit bewusst gewesen seien. Dabei könne auch die auf ideologische Festigkeit ausgelegte Ausbildung verantwortlich sein, die für alle Journalisten zentral in Leipzig erfolgt sei, und den Vorläufer der noch heute dort ansässigen Journalistischen Ausbildungsarbeit gebildet habe.

Also bis morgen, wenn es hier etwas über die Ereignisse vom Freitag, 1. Juni, zu lesen.

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